Twitter - Milliardenkonzern oder Würstchenbude?

In den Nachrichten wird ja viel von der abgebrochenen Übernahme des Twitter-Konzern durch Elon Musk geschrieben. Doch ein anderer viel relevanterer Vorgang finden kaum Beachtung:

Der frühere Twitter Sicherheitschef Peiter ‘Mudge’ Zatko hat als Whistleblower Details über die Situation innerhalb dieses Milliardenkonzerns enthüllt. Hier ein paar High Lights die mich als Software Architekt fassungslos machen:

  • Zatko’s complaint alleges he had warned colleagues that half the company’s servers were running out-of-date and vulnerable software - Die Installieren nicht mal die üblichen Security-Patches auf ihren Servern?
  • thousands of employees still had wide-ranging and poorly tracked internal access to core company software - Also kein Rechtemanagementsystem?
  • In Zatko’s interpretation, according to the complaint, the 2011 order required Twitter to implement a Software Development Life Cycle program, a standard process for making sure new code is free of dangerous bugs. The complaint alleges that other employees had been telling the board and the FTC that they were making progress in rolling out that program to Twitter’s systems. But Zatko alleges that he discovered that it had been sent to only a tenth of the company’s projects, and even then treated as optional. - Das ist so ziemlich die schlimmst Anschuldigung die ich mir Vorstellen kann. D.h. das in diesem Konzern tausende von Angestellten gibt, die direkt in die Produktion Änderungen ausrollen können, ohne das vorher in eine Testumgebung geprüft wird?

Ich bin fassungslos.

Kenn ich von meinem Kunden. IT-Sicherheit vs. Shareholdervalue…das wird in der Regel in den oberen Etagen der Ahnungslosen entschieden. Und der Shareholdervalue gewinnt.
There’s no intelligence up there…

Eindeutig Würstchenbude.
Aber wenn ich darüber nachdenke, wundert es mich auch nicht. Die ganzen Sicherheitsmechanismen sind zum Schutz von irgendwem gedacht. Aber wenn es denen vollkommen schnurzpiepegal ist, was sie verursachen, brauchen sie das auch nur soweit einzuhalten, wie es den Ruf in der Öffentlichkeit betrifft. Da kann es hinter den Mauern noch so faulen, es ist egal. Das zeigt ja auch das Verhalten des Konzerns sonst.

Wir erleben hier Raubtierkapitalismus pur. Dann wird uns erzählt, dass die Menschen von Natur aus gierig seien. Sind sie nicht. Sie brauchen bloß eine funktionierende soziale Umgebung, die sie nährt und ihnen Grenzen setzt.
Und Soziopathen einhegt.

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Das haben wir in den Achtzigern häufig gemacht (aka Operation am offenen Herzen). Was willste denn sonst machen, wenn nachts um vier die Produktion stillsteht? Ein dev muss halt wissen, was er tut (allerdings gibt es von der Sorte immer weniger).

Und ich rede hier von banking SW, nicht von so einer ‚nice to have‘ Anwendung wie twitter.

Nach meiner Meinung steht nachts um vier deswegen die Produktion still, WEIL man so vorgeht ! Aber du hast Recht bei Banken gibt es heute noch COBOL-Enwickler, die genau so arbeiten. Aber das ist für mich so abartig, als wenn du jemand in einer Restaurant-Küche beschäftigst, der darauf besteht die Zwiebeln mit einen Fauskeil zu schneiden.

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Das Problem ist zum einen Feigheit vor dem Feind und zum anderen die Kosten, welche die Führung nicht tragen will. So eine Vollmigration kostet um die 15-30 Millionen und dauert einige Jahre. Zudem ist oft nicht bekannt, was die einzelnen Programme machen. Dokumentation war zur Entstehungszeit eher mau. Auch ist der Code selten sprechend und oft italienisch angehaucht, also Spaghetticode vom übelsten. Somit bekommt deine Restaurantküche eine völlig andere Bedeutung.
Und bevor du auf unsereins losgehst, solltest du bedenken, dass diese Programme Jahrzehnte lang liefen. Denn meine Erfahrung mit neuer Technik zeigt mir unter anderem, dass es immer noch zu viele Leute gibt, die absolut nicht geeignet sind zum programmieren.
Das ist dieselbe Art, welche auch die grausamen Altprogramme geschrieben haben. Die guten haben im Prinzip schon genauso programmiert, wie es auch heute sein soll. Der Unterschied ist, dass vieles was heute schon als Library oder Code gilt, früher selbst programmiert werden musste.
Aber das Problem sind die Leute, die über die Finanzierung unterscheiden. Komm denen mit einer realistischen Schätzung und sie fragen, ob das alte System noch läuft. Dann wird für Weiterwursteln entschieden. Die korrekte Aussage wäre also eher, das die armen Schweine genauso arbeiten müssen.
Wenn also alle den Kopf in den Sand stecken, ist der Arsch der oberste Körperteil. Übrigens ein weit verbreitetes Muster.
Ich muss derzeit für eine Firma arbeiten, deren zentrale Softwareversionen seit über 10 Jahren nicht mal aktualisiert wurden. Damit meine ich Betriebssystem, Programmiersprache und Datenbank. Und Quickhacks sind natürlich an der Tagesordnung.
Die Begründung ist, dass sie sonst alles wieder evaluieren müssten. Und das es natürlich kostet. Mich interessieren nur noch 2 Zahlen: Die Tage bis zum nächsten Urlaub und die Monate bis zur Rente.

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Gute Beschreibung, Thomas :slight_smile:

Wir hatten damals sogar schon einen selbstgeschriebenen Vor-Vor-Läufer von cunit-Tests für online-Transaktionen. Allerdings lief der elend lange (und Rechenzeit war damals noch richtig teuer) und wir hatten nur eine queue für Langläufer. Hätte ich da einen Test mit dem heute üblichen Umfang reingeworfen, wäre die queue den ganzen Tag blockiert gewesen. Das hätte Ärger mit den Kollegen gegeben :wink:

Abgesehen davon hätte die gesamte IT eines Großkonzerns auf ein Mobilephone gepasst. :joy:

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Jo. Als ich '81 anfing, wurde der mainframe gerade von 4 auf sagenhafte 8 MB Hauptspeicher aufgerüstet (wir zählten zu den 5 größten Kunden der IBM weltweit!).

Bei uns kannst Du da nochmal 2 Nullen dranhängen.

Im OSS gaming Bereich habe ich auch in 201x noch manchmal so gearbeitet, obwohl wir cunit tests hatten. Wenn die beta-Version eines games crasht, macht man halt einen fallback. Man spart unheimlich Aufwand, wenn man die user testen lässt. Macht M$ doch auch :wink:

Wenn twitter ein paar Tage down ist, sind die user etwas verärgert, aber es entsteht nicht wirklich ein Schaden. Bei banking-SW wirds manchmal teuer und bei Flugsicherung auch noch gefährlich.

Natürlich möchte Deine Programmierer-Seele immer perfekte SW abliefern, aber man muss auch das Gefahrenpotential und die Kosten abwägen.

Das nennt man „Innere Kündigung“ - höchste Zeit für einen Jobwechsel.

2 Wochen und 13 Monate noch. Das überstehe ich. Danach suche ich mir auf selbständiger Basis noch ein wenig Zubrot. Ich kann schließlich die Friedhofsdinge wie Cobol, PL/1, Natural, IMS, Adabas usw. Irgendwas-X, MVS oder BS2000 kann ich auch.
Das ist sicher besser, als wenn die Firmen einen Necromancer einstellen, um die toten Programmierer wiederzuerwecken. Interessante Percussion…das Klappern der Tastatur und das des Skeletts :crazy_face:

  1. 6 Monate Kündigungsfrist
  2. 1 Monat Urlaub
  3. Restlaufzeit 6 Monate im neuen Job. Da hab ich noch nicht mal alle notwendigen Übel der Firma kennengelernt
  4. Das Schmerzensgeld ist OK und ich hab ohnehin nur 32 Wochenstunden
  5. Ich bin nicht zu 100% für den Kunden tätig
  6. Da wird gerade wieder einen neue Sau durchs Betriebsdorf getrieben und ich darf mittreiben
  7. Es ist nicht nur katastrophal, manchmal ist es nur schlimm und ich kann was machen.
  8. Die Firmen, die mich brauchen könnten, sind doch diejenigen, die sich weigern mit der Zeit zu gehen. Das hört sich nach vom Regen in die Traufe an.
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Bestimmt wirst du das,

aber warum nicht im lezten Arbeitsjahr noch mal einen richtigen gamechanger?