Eigentlich immer dann, wenn man eine Situation für gefährlicher hält als sie ist. Dazu ist es sicher hilfreich, wenn man Leute konsultiert, die sich besser auskennen und diese mit einbindet, wie hier von dir vorgeschlagen:
Das könnte man ihnen ja mal vorschlagen.
Allerdings werden sie es wohl aus diesem Grund ablehnen, vermute ich:
Genau das meine ich mit Lernen per Nachahmung. Kindern in Skandinavien, wo Seen jedes Jahr zugefroren sind, werden besser wissen, wann das Eis trägt. Einfach, weil sie ihren Eltern dabei zugesehen haben, wie die Tragfähigkeit geprüft wird und worauf man achten muß. Weil wir in Deutschland selten zugefrorene Seen haben, fehlt uns dieses Wissen und daher die vielen Unfälle.
Der “harte Weg” in diesem Beispiel, nämlich einmal eingebrochen zu sein, hilft auch nicht wirklich. Vielleicht betritt man durch dieses Trauma sein Leben lang sicherheitshalber keine Eisfläche mehr. Aber über die richtige Einschätzung der Tragfähigkeit von Eis hat man nix gelernt.
Du kannst gegenüber deinen Kindern zugeben, dass du keinerlei Kompetenzen bei der Beurteilung der Tragfähigkeit des Eises hast. Einfach, weil du es nicht gelernt hast. Und deswegen musst du auf die amtliche Freigabe des Eises warten, weil das Leute beurteilen, die es gelernt haben.
Zum größten Teil ja- sie machen uns auch alle schlechten Eigenschaften nach
Übrigens fällt mir grade ein, dass mein Vater uns Kindern gezeigt hat, wie man die Tragfähigkeit des Eises prüft und dass man immer einen langen Stock (Besenstil) mitnimmt, wenn man das erste Mal das Eis betritt. Damit auf der vorausliegenden Fläche erstmal rumstochert und für den Fall, dass man einbricht.
Das ist doch kein Widerspruch (Erziehung und Nachahmung)
Wirklich schwierig wird es, wenn man versucht, die Kinder zu etwas zu erziehen, woran man sich selbst nicht hält - wenn also einen Widerspruch zwischen dem Vormachen/Vorleben und den Erziehungsvorgaben gibt. (Da bin ich wieder bei meinem legendären Messen mit 2erlei Maß, dass ich u.a. genau deswegen so mies finde, weil ich selbst diese rein machtbasierte Unterscheidung als sehr destruktiv erlebt habe .
Natürlich gelten für die Eltern andere Vorgaben als für Kinder. Die sollten aber nicht aus einer Laune heraus oder den bestehenden Machtverhältnissen allein resultieren - sondern aus einer guten (sozio-wissenschaftlichen?!) Begründung.
Wenn ich später ins Bett gehen kann als meine 6jährigen Kinder, dann liegt das daran, dass ich weniger Schlaf brauche - wenn ich mit 18+x Auto fahren darf, und mein 14jähriger Sohn noch nicht, dann liegt das (u.a.) daran, dass ich dafür eine Ausbildung gemacht habe (Führerschein) und überdies (hoffentlich) etwas souveräner in Krisensituationen des Straßenverkehrs reagiere.
Wenn ich aber Kettenraucher bin, und versuche, mein Kind davon abzuhalten mit der Begründung, dass das schlecht für die Gesundheit ist - dann fragt sich mein Kind, warum ich es selbst tue, und das Kind das nicht darf, denn besagte Gesundheitsgefährdung gilt für uns beide.
Das ist zugegeben argumentativ etwas abgespeckt - solche Situationen sind sehr kompliziert.
Strukturell halte ich das aber für rel. einfach.
Ein weiterer Aspekt ist natürlich auch noch, dass es Ausdruck eines gewissen Größenwahns wäre, als Eltern zu glauben, man habe mit der Erziehung alles in der Hand - die Kinder sind sehr schnell so vielen anderen Einflüssen ausgesetzt, dass Nachmachen anderer Bezugspersonen ebenfalls eine große Rolle spielt (z.B. Kindergarten, später Lehrer, „coole“ Freunde etc.).
Geiles Erziehungskonzept - da muss ich mal in mich gehen, und meine Vorbildstrategie für meinen Enkel überdenken - vielleicht sollte ich morgen mit dem Rauchen (und - nicht zu vergessen - dem Alkohol) beginnen
Allerdings hast Du natürlich nicht ganz unrecht - ich habe mich nicht zuletzt deswegen von diesen legalen Drogen fern gehalten, weil ich meinen Großvater als Kettenraucher an Lungenkrebs zugrunde gehen gesehen habe - und beim Alkohol gab es genügend ähnlich gelagerte Beispiele, die abschreckend genug für mich waren.
Die Gemengelage wird dann schon komplizierter, wenn es „Gruppenzwänge“ gibt, es doch zu tun, weil es plötzlich positiv konnotiert wird (es eben cool ist).
Dann steht wieder der kurzfristige Vorteil, Teil einer Gemeinschaft/Gang zu sein gegen das langfristig unrühmliche Ende als Lungenkrebspatient. Oft siegt dabei dann der kurzfristige Vorteil (aber ich wiederhole mich und -noch schlimmer - liege soziologisch vielleicht sogar falsch
Die Frage ist, ob ein Erziehungskonzept, das auf negative Vorbilder gegründet ist, sehr konstruktiv und nachhaltig ist
Ich glaube, das ist kein bewusstes Konzept, sondern es passiert einfach so, dass man versucht, das, was bei den Eltern schief gelaufen ist, besser zu machen.
Und was bedeutet das nun in Bezug auf hard way/right way?
Bedeutet „besser machen“ (gesetzt den Fall, es ist wirklich besser) dass man aus der bewussten Analyse (ist also doch ein bewusstes Konzept gelernt hat, und der Gegenüberstellung des elterlichen und des eigenen Konzepts zu genau diesem Schluss kommt, dass es besser ist, den Kindern den „hard way“ größtenteils zu ersparen zu können?
Es bedeutet, dass man nicht alle Erfahrungen selbst machen muss, sondern auch aus den Erfahrungen anderer lernen kann.
Offensichtlich hat sich die Menschheit so entwickelt, dass man auch aus den Erfahrungen anderer Menschen gelernt hat.
Insbesondere als es darum ging, zu lernen, welche Pflanzen essbar sind, und andere lebenswichtige Fragen.
Ich denke, die Bilderbuchvariante ist diese:
Eine Erfahrung wurde gemacht, aber kein Schaden ist entstanden.
Wenn man es so hinkriegt, sollte man das so machen.