Das ist ein Ausdruck eines Protestes, ich denke nicht, dass es abseits der bestehenden Schulpflicht ähnlich wie vor Jahren die Freitagsdemos der Friday for Futures Demonstrierenden ein Problem sein darf. Die Versammlungsfreiheit gilt in der Demokratie.
Die Schüler*innen und auch Eltern zeigen so größtenteils ihre Unmut mit diesem Gesetz aus verschiedenen Gründen. Ich für mein Teil sehe die größte Kritik an diesem Gesetz darin, dass Europa keinerlei nennenswerte politischen und diplomatischen Lösungen für die Ukraine gegen Russland unternimmt - und sich ein Stück weit an die 18jährigen der nächsten Jahre missbraucht, ohne ihnen diese politische Waffe flankierend zu geben.
Die Älteren unterlassen, was die Jungen nun ausbaden sollen und perspektivisch bei Eskalation ausbaden sollen. Du hattest ja selber formuliert:
Da der russische eben nicht der chinesische Weg ist, und daher von einer militärischen Ausrichtung geprägt ist, muss man diesem etwas entgegensetzen - Russland spielt Kriegsschach (um bei Deiner Rhetorik zu bleiben) - was bleibt da (neben der kapitulativen Aufgabe der Partie)?
..und dafür sollen nun (auch unter ethischer Betrachtung) in der nächsten Zeit unsere 18jährigen bereit stehen, während die Politiker Signale aus Moskau zur Verständigung einfach auflaufen lassen?
Man könnte auch noch - etwas weniger wichtig in der Betrachtung unter diesem Thread - den Unterschied zur Wehrpflicht früherer Jahrzehnte herstellen, in denen die Bedrohungslage gewachsener war und jetzt dabei ist zu steigen. Wieder gleich mit der Wehrpflicht dem zu begegnen, denn die Musterungen bereiten eine Wehrpflicht vor, ist ein Armutszeugnis eines modernen Europas, in denen wir die westlichen Werte Europas (80 Jahre Frieden) gelernt haben sollten, anders auf den Kontinent übertragen zu können, als ohne politische und diplomatische Anstrengungen, gleich wieder den Krieg vorzubereiten.
Ich war nicht bodenlos für eine Naivität in der Frage wie dem Aufrüsten Russlands, was aber auch zu einem Teil den Grund hat, in der Aufrüstung der Nato, zu begegnen ist, sondern für die vormalige Entscheidung zunächst auf das Zusenden von Fragebögen mit der verpflichtenden Rückantwort der jungen Männer und auf freiwilliger Basis der Frauen zu setzen.
Es wäre auch eine Frage der Effektivität gewesen, denn Interessen über Einsatzgebiete können so besser abgefragt werden, als mit einer Generalmusterung wie in früheren Zeiten. Das ist sehr aufwendig.
Außerdem passt die Musterung für mich teils mit fatalen Aussichten auf eine weitere kriegstreibende Antwort aus Europa im Ungleichgewicht zu Russland, denn irgendwer sollte der Klügere schon sein, damit ein großer Krieg vermieden werden kann, zum populistischen Verhalten von einigen aus Gesellschaft und Politik, die teilweise eine heiße Auseinandersetzung mit Russland herbeireden, um sich Gehör zu verschaffen. Ihre These mit den jungen 18jährigen zu unterlegen ist Missbrauch.
Das heutige Gerede von einem bevorstehenden Krieg mit Russland, ich nehme die hybriden Kriegsformen davon ausdrücklich aus, hat genau damit zu tun, dass Europa zu stolz und scheinbar auch zu feige ist, sich mit dem Regime in Moskau politisch direkt auseinanderzusetzen. Die jungen Leute sollen den Politikern weiter sozusagen den Allerwertesten zeigen und streiken - so lange wie sich das nicht ändert.
Und dann, um die Zustimmung zu dem vorherigen Beitrag von Dir an der Stelle zu erwähnen, wo es mir vorher nur darum gegangen war, wie verschiedentlich die heutige Ukraine entstanden war, deswegen um einen Ansatz zu finden, dass Referenden über die von Russland beanspruchten Gebiete durchaus im Ergebnis noch nicht klar zu Gunsten Russlands verteilt wären (der Querverweis zum anderen Thread (Annalena Baerbock, Ukraine und Zusammenarbeit mit den USA hier eingefügt), würde man diese von Europa für eine Zeit nach dem Krieg unterstützen:
Und um auf das Thema zurückzukehren: ist es nicht sinnvoll, diesen barbarischen Rückfall auf längst überwunden geglaubte Zeiten zu verhindern? Und wenn ein solcher Angriff mit militärischer Gewalt der ewig-gestrigen erfolgt - lohnt es sich nicht, dem - notfalls auch militärisch - Einhalt zu gebieten.
Immer vorausgesetzt, die technischen Möglichkeiten geben dies her (ein Umstand, für den es sich zu streiken tatsächlich lohnt!).
Daran merke ich mich wie russlandfeindlich dieses Forum ist, bis auf das Einräumen der Zweifel von technischen Möglichkeiten, für die es sich zu streiken lohnen würde.
Sollen denn die jungen Leute nun streiken, damit sie mit besseren Waffen perspektivisch Krieg führen sollen? Wenn die Bundeswehr das selber tun würde, dann hätte ich meine Hochachtung!
Aus das ist in dem Zusammenhang pervers, wie unsere Jugend geradezu, wie in früheren Zeiten des Imperialismus für einen Stolz der russlandfeindlichen EU eingesetzt werden soll. Das sind Dinge die im Kalten Krieg vielleicht noch die USA propagiert hatte, in Hinblick auf andere Menschen des Kommunismus oder zuvor die Nazis. Das kam aber nicht aus der Bundesrepublik Deutschland im Kalten Krieg.