Ich gehe auf einen Punkt ein, bitte aber um Verständnis, dass in einem Online-Forum keine 150 Seiten geschrieben werden können (die sind aber u.U. mindestens nötig, um ausreichend zu differenzieren.
Das folgende ist daher zwangssläufig „plakativ“.
Du schreibst:
[quote="Kalo, post:14, topic:2672“]
Damit es was nutzt müssten wir doch 8 Milliarden Menschen dafür gewinnen, auf Konsum zu verzichten
[/quote]
Nein, das ist zumindest auf nahe Sicht nicht notwendig. Was aber nicht heißt, dass die Aufgabe leichter wird.
Schaut man sich die Website https://www.overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/dates/
an, wird deutlich, dass der „Planeten-Verbrauch“ höchst ungleich verteilt ist. Es geht also zunächst einmal nicht um die Menschen in Ländern, bei denen als Datum „none“ steht oder deren Overshoot Day erst im November oder Dezember liegt. Es geht um uns in Europa, um die USA, die Golfstaaten, BRICS usw. also alle, deren Overshoot-Day sagen wir, in der ersten Jahreshälfte liegt.
Dass viele Menschen in den meisten Ländern, die die Kapazitäten nicht überschreiten, in großer Not leben, ist noch ein weiteres Problem.
Aufgrund all dieser Erkenntnisse hatte ja die Brundlandt-Kommission im Jahr 1987 (!!!) das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“ formuliert. 36 Jahre später wird ja in diesen Tagen gerade berichtet, dass die UN festgestellt hat, dass die immer wieder angepassten Ziele (zuletzt meines Wissens 2015) nur erreicht werden können, wenn man sich jetzt aber wirklich mal anstrengt (oder so).
Die Aufgaben sind dabei technisch/wissenschaftlich/rational und ethisch eigentlich klar (oder?):
- Die Industrieländer müssen ihren „Planeten-Verbrauch“ DRASTISCH einschränken.
- Den anderen Ländern müssen noch einige Zeit so viel verbrauchen dürfen, dass den Menschen in diesen Ländern ebenfalls „Entwicklung“ ermöglicht wird.
- Das Gesamtniveau muss so weit zurück gefahren werden und langfristig auf einem Niveau bleiben, dass ALLE planetaren Grenzen eingehalten werden, weil nur so eine hinreichend hohe Sicherheit besteht, dass die menschliche Zivilisation ihren weiteren Bestand nicht durch eigenes Verschulden aufs Spiel setzt.
Folgende Probleme bestehen:
- Das global dominierende Wirtschaftssystem basiert im Moment (und auf absehbare Zeit) darauf, dass dem Planeten auch in Zukunft immer mehr biologische und nicht-biologische Ressourcen entnommen werden.
- Die Prosperität im „Norden“ basiert darauf, dass diese Ressourcen sehr billig in bestimmten Ländern (meist des globalen Südens) gewonnen werden und damit darauf, dass besagte Länder sich eben gerade nicht „entwickeln“.
- Die Zeit wird knapp, denn es wird immer klarer erkennbar, dass bestimmte physikalische oder ökologische „Kipppunkte“ überschritten werden.
- Weil die Zeit knapp wird, bestehen immer weniger Handlungsoptionen, die gleichzeitig immer einschneidendere Folgen haben und damit immer schwieriger zu vermitteln sind.
- Weil das schwierig zu vermitteln ist, fällt es Demagogen und Propaganda-Organen immer leichter, notwendige Maßnahmen zu verhindern und so das Problem weiter zu verschärfen.
- Je größer die Probleme werden, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit von Verteilungskonflikten - innerhalb von Staaten und zwischen Staaten.
Also: nicht über 8 Milliarden reden, sondern erst einmal über 80 Millionen (aka „Deutschland“) und davon müssen wir ja „nur“ die Mehrheit überzeugen.
Ich bestreite überhaupt nicht, dass schon das eine irrsinnig schwierige Aufgabe ist.
Was ich vermisse, ist die Bereitschaft in der Breite der Partei – und insbesondere von unseren Spitzenleuten – überhaupt darüber zu reden, dass genau DAS die Aufgabe ist (und nicht drei Ladestationen mehr pro Dorf).
Oder wie soll es sonst gehen? Die Ampel kann ja nun nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
Wir müssen besser kommunizieren.
Wir müssen mehr Verbündete finden (vor allem außerhalb der Parlamente).
Wir müssen aber vor allem auch stets ehrlich das Ziel kommunizieren.
Absolute Mehrheiten auf Kosten des politischen Ziels sind nicht das was ich will.
Ich mache Politik nicht aus Spaß, sondern weil ich Ziele erreichen will.
Ich leite ein Unternehmen, weil ich gestalten will und eine Idee habe, was ich erreichen will.
Und wenn eine bestimmte Methode nicht funktioniert, dann muss ich meine Ansätze hinterfragen und ändern. "Try again, fail again, fail better!“ muss das Motto sein.
Wenn in der Ampel bestimmte Grüne Forderungen nicht durchsetzbar sind, erwarte ich, dass wir alle daran arbeiten, unsere taktischen und strategischen Positionen zu verbessern und es erneut versuchen, nicht zu sagen „wir müssen so viele Menschen überzeugen, das schaffen wir nicht.“
Wie soll es denn sonst gehen?
Öko-Diktatur oder aufgeben?