Kulturelle Offensive!

Ich stelle das mal hier rein, weil es, denke ich, hierhin am besten passt. Wenn nicht, dürfen die Admins es gern dahin verschieben, wohin es besser passt. Und zwar möchte ich hier einen Link auf ein Post auf meinem Blog rein setzen, worin es um Strategien gegen AfD & Co. geht:

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warum stellt du deinen ganzen Text nicht einfach auch hier ins Forum? Ist doch interessant.

Deine Kritik an „reaktionären Tendenzen“ teile ich ganz ausdrücklich - sie sind in Bezug auf die Vergangenheit romantisch verklärend - und in Bezug auf die Zukunft irreal, weil sie einen Zielzustand beschreiben, der bereits in der Vergangeheit nicht erreicht wurde und auch in der Zukunft unrealistisch bleiben wird (aus unterschiedlichen Gründen).

Die ganze Erzählung läuft also auf das Motto hinaus: „wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“

Deine „Lösung“ habe ich allerdings nicht verstanden, den sie beruht m.E. auf einem ähnlichen Denkfehler.

Warum also die Vision von einem homo perpetuum mobile als Gegenentwurf in die Welt setzen, mit denen wir einen Lösungsentwurd skzzieren, den im Grunde aufgrund harter physikalischer (und/oder evolutionärer) Rahmenbedinungen so mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht geben kann (oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit an dramatische Einschränkungen und Einschnitte gekoppelt ist)?

„Kreislaufwirtschaft boomt und für Wohlstand und Vollbeschäftigung sorgt. In der unsere Kultur durch Impulse von anderen Kulturen bereichert wird, und niemand Fremde zu fürchten braucht, weil die Fremden tatsächlich Freunde sind. In der die Menschen selbst entscheiden können, wo es lang gehen soll. In der jeder selbst über seine ethnische und sexuelle Identität bestimmen kann. In der es keinen Klimakollaps gibt, weil die Energieversorgung vollständig auf erneuerbaren Energien basiert, die das Klima nicht beeinträchtigen, und niemand mehr fossile Brennstoffe verfeuern muss.“

So lange wir unserem öklogische Kühlschrank mehr entnehmen als nachwächst, wird der Kühlschrank leerer und leerer (Artensterben, etc.) und desto eskalativer werden die Verteilungskämpfe um die Dinge, die sich als stetig kleiner werdenden Rest im Kühlschrank befinden (von der Streichung der Sozialunterstützungen bis hin zu Kriegen).

Was also eher helfen würde wäre die Aufklärung über unseren Restebestand im Kühlschrank und Konzepte, (die es sehr wohl (noch) gibt), daran etwas zu verändern und den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

Das Dystropische ist deswegen sogar inhaltlich falsch, weil es nach aktueller wisenschaftlicher Betrachtung immer noch Auswege gibt - der übergewichtige Kettenraucher Mensch müsste nur sofort mit dem Rauchen aufhören und sich anschließend zudem extrem gesund ernähren (wozu gehört, viel weniger zu essen).

Und er müsste lernen, dass es eben kein Anzeichen von Dystropie ist, genau das zu tun - was für viele übergewichtige Kettenraucher dystropisch erscheint (Rauchstopp und Diät), ist im Grunde Gesundung. Das ist für einen „durchschnittlichen Konsumenten“ allerdings leider nicht ohne weiteres einsehbar.

Es wäre aber eine Zielverfehlung die eine Lüge durch eine andere zu ersetzen.

Die mitreißende Erzählung sollte also darin bestehen, wie schön es ist, wieder 20 KM am Stück durch die sich regenerierende Natur zu spazieren und dabei nicht schnaufend wie eine Dampflokomtive wegen Übergewichts und Raucherlunge kurz vor dem Kollaps zu stehen.

Ein Arzt, der einen beginnenden Lungentumor, der sogar noch rechtzeitig bekämpft werden kann, diagnostiziert, sollte seinem Patienten also weder vorgauckeln, dass es sich „nur“ um einen vorrübergehenden Infekt handelt, noch das Grauen "eines angeblich unvermeidbaren schrecklichen Endes durch eine völlig zerstörte Lunge mit Metastasenbildung im ganzen Restkörper (Dystrohie) an die Wand malen - sondern über den schweren Gang mit OP, Chemo- und/oder Radiotherapie aufklären, und ihm die (berechtigte) Hoffnung machen, nach diesem - vielleicht tiefen aber dennoch vorübergehenden - Tal der Tränen wieder ein Leben zu führen, das - wenn auch nicht ungetrübt, aber dennoch - angenehm sein kann und wird.

Und selbst, wenn es keinen Ausweg mehr gäbe (was angesichts der aktuellen Erkenntnisse der Naturwissenschaft nicht der Fall ist), wäre das genau genommen gar kein dystropisches Szenario. Der Tod (sowohl der des Individuum als auch der der biologischen Art) ist kein Horrorszenario sondern ein Mechanismus, ohne den ein Weiterentwickeln nicht möglich ist (man stelle sich vor, dass seit 300.000 Jahren kaum ein Mensch gestorben wäre - und wenn, dann nur den „plötzlichen Unfalltod“.

Auch das könnte man in die Erzählung mitreißend integrieren (was zugegeben aktuell ziemlich schwierig wird angesichts der Meidung/Stigmatisierung des „Themas Tod“ in unserer Gesellschaft :thinking:

auf den Versuch wäre ich gespannt :grinning_face:
Ansonsten sehe ich das ebenso wie Du.
Aber vielleicht ist die Frage, ob die Leute nur durch („positive“) Lügen zu motivieren und „mitzureissen“ sind?! Vernunft alleine reicht ganz offensichtlich nicht

Das wäre ein weitere Fall für „Thema des Monats“

Die notorische Unvernunft des Homo sapiens vor dem Hintergrund wachsender globaler Bedrohungslagen.

:laughing:

Ich lass mir was einfallen :thinking: :thinking: :thinking: :thinking: :thinking:

Theologisch ist der Tod ohnehin uneingeschränkt eine Erlösung - wenn man nicht posthum wiedergeboren wird als Regenwurm :slight_smile:

Das gilt durchaus auch noch für besonders schwere Krankheitsverläufe. Wir haben nur noch nicht erkannt, wie schwer wir alle an den aktuellen Problemen kranken, und wie schnell das dystrophisch enden kann - aber da falle ich dann leider mit mir selbst in Widerspruch, wenn ich einerseits das Dystrophische wie @joerg_rhiemeier im Grunde ablehne, nur um es gleich wieder einzuführen um die Verheißung einer Erlösung mitreißend zu instrumentalisieren :thinking:

Keir Starmer ist (auch) daran gescheitert, dass er die realen Probleme zu real und zu nüchtern dargestellt hat.
Das Volk schreit nach jemandem, der es „mitnimmt“, „auf Augenhöhe kommuniziert“, der eine positive „Erzählung“ von Großbritannien hat, und wie diese ganzen Brechfloskeln heißen.
Kein Schwanz erinnert sich offenbar an Boris Johnson. Der konnte das alles ganz toll.
Leider war er ein Idiot. Aber das ist ja auch schon 4 Jahre her, solange denkt der Wähler weder vorwärts noch rückwärts.
Hoffen wir, dass Andy Burnham kein Idiot ist.

Die Reaktionären versprechen die Wiederherstellung einer idealisierten Vergangenheit, in der die Wirtschaft boomt und für Wohlstand und Vollbeschäftigung sorgt.

Machst du vielleicht etwas viel schwarzweiße Malerei?
Boomende Wirtschaft, Wohlstand und Vollbeschäftigung sind reaktionär und willst du also nicht?
Aber erhoffst du dir nicht auch genau das von der progressiven Kreislaufwirtschaft?

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Nein, boomende Wirtschaft, Wohlstand und Vollbeschäftigung sind natürlich nicht reaktionär, auch wenn die Rechten das versprechen (aber nicht halten würden, wenn sie an die Macht kämen)! Lies doch einfach mal mein Post zu Ende, und lies es noch mal, wenn Du es noch nicht durchdrungen hast, bevor Du hier Deinen Senf dazu gibst.

Aber ich kenne das: wenn ich irgendwo davon spreche, positive Geschichten zu erzählen, in denen es darum geht, wie wir die Probleme lösen können, verstehen die Leute es nicht. Ich habe diese Gedanken mal in einem Science-Fiction-Forum gepostet, und da kamen dann die Reaktionen: Geschichten, die in der nahen Zukunft spielen und sich mit aktuellen Problemen auseinandersetzen, gäbe es schon längst, und es wurden Beispiele dafür genannt - und das waren dann ohne Ausnahme Dystopien. Die hatten gar nichts kapiert! Es ist anscheinend so fest in den Köpfen der Leute eingebrannt, dass die Zukunft schlechter sein werde als die Gegenwart, dass die sich gar nicht mehr vorstellen können, dass und wie die Probleme gelöst werden, und genau daraus schlagen die Rechten politisches Kapital.

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das ist tatsächlich ein kulturelles Phänomen.
Kritik ist attraktiver als Lob.
Warum?
Kritik ist für viele vielleicht auch ein Weg, sich vermeintlich über den anderen zu erheben, auch wenn der Kritiker es nicht besser kann als der Kritisierte.
Und Kritik verschiebt die Schuld häufig auf andere, also die Kritisierten.
Sehr beliebt daher Kritik am Staat, den Politikern, der Verwaltung, den Medien, den Reichen, den Armen, den Ausländern, den „typisch Deutschen“ usw usw.
Kritik und Drama verkaufen sich besser in den sozialen und anderen Medien.
Jeder guckt den Tatort, weil da einer ermordet und der andere bestraft wird.
Keiner guckt eine Sendung mit dem Titel „Auch heute wieder alles friedlich.“
Partei werden gewählt, wenn und weil sie Angst vor irgendwas machen, nicht weil sie Mut machen. Zustimmung bekommt nicht, wer Freunde hat, sondern wer Gegner hat
Das Phänomen ist nicht neu, aber trotzdem immer noch etwas rätselhaft.

Das zu ändern wird schwer.

Es kommen noch zwei andere, psychische Aspekte hinzu.

Die älteren von uns, erinnern sich an ein mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit und Jugend. Da war alles okay, und wenn nicht haben Mammi und Pappi es gerichtet. Auch dann später haben wir Probleme nicht so schwer genommen (mit Ausnahme der Pubertät vielleicht). Wir haben Herausforderungen offensiv angenommen. Das ändert sich im Alter, man wird risikoscheuer, man liebt das beständige. Je geringer die Restlebenszeit, desto mehr klammern wir uns daran.

Und dann gibt es den wunderbaren Mechanismus der Verdrängung. Wir hatten auch in jüngeren Jahren teils große Probleme, aber wir erinnern uns viel intensiver an die guten als an die schlechten Zeiten.

Beides zusammen sorgt bei vielen Menschen für eine Verklärung der guten alten Zeit und Angst vor den Unwägbarkeiten der Zukunft. Wenn man sich das bewusst macht, lebt man leichter und schaut optimistischer in die Zukunft.

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d.h. die Alterung der Gesellschaft führt zu einer im durchschnitt negativeren sichtweise?
ja, das kann gut sein, interessanter gedanke.
und perverserweise vielleicht auch zur reformunfähigkeit, so dass es auch nicht besser wird.

Ich weiß nicht. Ich bin Baujahr 59 und in meiner Jugend gab es zwar den Nato Doppelbeschluss und das Thema Atomkraft.
Aber diese Menge an offensichtlich unlösbaren Problemen (Aufgrund der Dummheit der Menschen) gab es nicht.

Wobei mich jetzt ein paar Beispiele dieser positiven Geschichten, die nicht verstanden werden, interessieren würden.
Ich habe für verschiedene Probleme auch Lösungen im Kopf aber ich denke gewisse Dogmen (Auch bezüglich Wirtschaft) sind in den Köpfen so eingebrannt, daß Ideen, die diesen Dogmen widersprechen nicht gedacht werdenn können. Das ist wie bei religiösen Fundamentalisten. Diese Erfahrung mache ich immer wieder.

Die gibt es, wenn auch noch zu wenige, aber immerhin hat das Genre einen Namen: „Solarpunk“. Aber davon haben die meisten Leute noch nichts gehört, und können es sich nicht vorstellen.

Ich meinte eigentlich individuelle Probleme, die jeder Mensch hat. Die Erinnerung daran verblasst, es bleibt überwiegend die Erinnerungen an die gute Phasen im Leben.

Kannst du ein Beispiel präsentieren, damit man es sich besser vorstellen kann?

auf einer etwas abstrakten Ebene reicht dafür eigentlich ein bisschen objektive Distanz und Realismus.
Wir sind in nahezu allen Kategorien auf dem absteigenden Ast, das ist unbestritten.
Aber der Ast ist der dritthöchste am globalen Baum.
Wir schweben immer noch in Höhen, von denen 80-90% der Weltbevölkerung träumen.
Das Land ist immer noch unfassbar reich, sicher, gebildet, geordnet.
Aber wir verbrauchen unsere Substanz und müssen viele Dinge sehr schnell neu machen.
Dabei wird es vorübergehend Verlierer und Härten geben.
Wenn wir das kollektiv akzeptieren, haben wir alle Chancen, wieder Weltspitze zu werden bzw. zu bleiben.
Wir haben die Wahl und die Ressourcen, um es zu schaffen.
Wenn das keine positive Botschaft ist … ?!

Aber wenn Du das sagst, denkt jeder nur daran, wie er ohne Verlust und Härten dabei rauskommen kann.
Mich darf es nicht treffen, Die anderen, OK, aber mich doch nicht !
Und zuviele Menschen glauben noch, dass Verlust und Härten vermeidbar wären, wenn wir nichts ändern.
Dabei ist es wie mit Karies: je früher man zum Zahnarzt, geht desto weniger schmerzhaft wird es.
Davor machen zu viele die Augen zu.

Mich schaudert angesichts dessen, wenn ich den Widerstand gegen flexiblere Arbeitszeiten sehe oder die Weigerung, ein bisschen Vermögenssteuer zu zahlen. Es gibt genug weitere Beispiele.
Ich frage mich dann: Das ist es Euch nicht wert??
Ihr seid nicht bereit, diese kleinen Opfer zu bringen, um die Entwicklung zu drehen?
Sondern Ihr steigt lieber ohne Gegenwehr in die globale Kreisklasse ab?
Das wäre erbärmlich.

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Wenn du den Vergleich mit dem Baum wählst, auf dem du auf dem dritthöchsten Ast sitzt, gehört für mich zu einer positiven Geschichte auch dazu, dass es dem Baum gut geht und er nicht beim nächsten Sturm umfällt.

Einem Baum geht es immer dann gut, wenn er Wasser und Nährstoffe bekommt, die Geschichte müsste also davon handeln, wie bei Trockenheit, wenn die Blätte schlapp werden, alle von ihren Ästen runter kommen und sich eine Gießkanne schnappen.

und wieder ein schönes beispiel dafür, dass manche leute keine positiven geschichten ertragen können.
nichts ist positiv, solange nicht alle probleme auf der welt beseitigt sind!

Doch, positiv ja, aber nicht nachhaltig.