Wird die totgesagte EU gerade zum interessantesten politischen Projekt der Welt?
Magdeburg verloren, Vancouver gewonnen: Kanadas Premier Mark Carney hat der Europäischen Union einen unwiderstehlichen Vorschlag gemacht.
"Eine seltsame Teilnahmslosigkeit begleitet die Europäische Union in der Stunde ihres größten Triumphs. Man scheint sich in Europa dermaßen an die Erzählungen vom eigenen Untergang gewöhnt zu haben, dass man offenbar nicht einmal mehr weiß, wie man Siege begeht. Deshalb vielleicht an dieser Stelle noch einmal zur Erinnerung: Die EU ist im Begriff, der Weltmacht USA ihren mit Abstand wichtigsten Handelspartner abspenstig zu machen.
Weil die Amerikaner zur Bedingung eines Handelsabkommens gemacht haben, dass Kanada die Förderung der französischen Sprache einstellen möge, hat Kanada die Verhandlungen abgebrochen und wendet sich jetzt stattdessen der EU zu. Freiwillig. Aus eigenem Antrieb. Weil eine enge Integration mit Europa für die 40 Millionen Kanadier die besseren Perspektiven bietet als ein Abkommen mit den USA. Man ist es ja gewohnt, dass EU-Flaggen am leidenschaftlichsten außerhalb der EU geschwenkt werden, aber was wir jetzt gerade erleben, hat trotzdem noch einmal eine neue Dimension."
Man muss das mal weiterdenken.
Die EU, UK, Kanada, Australien, Japan, Teile Südamerikas,
später Südkorea? einige afrikanische und weitere Staaten aus Südostasien?
Ein solcher Verbund könnte tatsächlich ein Gegenmodell zu den nationalen Großmächten sein.
Zunächst vor allem wirtschaftlich, aber das lässt sich uU ausweiten.
Und auch die NATO könnte zu einem globalen Bündnis umgestaltet werden.
Das heißt dann wohl nicht mehr EU oder NATO, aber beide könnten die Keimzelle bilden.
Es wäre im Ansatz ähnlich wie frühere Vereinigungen blockfreier Staaten während des Kalten Krieges.
Das wäre mal eine „Vision“, die Deutschland entwickeln und verfolgen könnte.
Darf ich daran erinnern, wie schwer sich unser eigener ‚Verein‘ mit CETA getan hat (und auch mit Mercosur)?
Wenn ich mich recht erinnere, hatte die Grüne BT-Fraktion im Rahmen der Ampel zugestimmt und das wurde in der Partei als ‚Kurswechsel‘ wahrgenommen. CETA galt doch bei der Parteilinken (incl. Grüne Jugend sowie Umwelt- und globalisierungskritische Verbände) als demokratiegefährdend.
Die Grünen/EFA im Europaparlament hatten das Abkommen abgelehnt und blieben dem Investitionsschutz gegenüber wesentlich kritischer. Cavazzini bestand weiterhin auf zusätzlichen Änderungen und äußerten erhebliche Zweifel am Investitionsschutz.
Ich bin mal gespannt, wie das jetzt weitergeht.
Ich würde es sehr begrüßen, wenn aus einer engen EU-Canada-Partnerschaft was ‚handfestes‘ entsteh würde, bin aber skeptisch. Frankreich und Italien haben bei CETA auch massiv blockiert.
klar, ich auch.
Man merkt aber bei der Gelegenheit, dass unser Modell von außen interessanter ist, als wir das von innen idR empfinden.
Beitrittskandidaten gibt es immer, aber die wollen idR nur Geld.
Kanada gehts m.E. nicht zuerst ums Geld, die suchen Stabilität und politische Werte, Gleichgesinnte. Das ist eine andere Qualität als … sagen wir: Bulgarien oder Serbien.
So ist es auch mit der BRD. Bei uns finden alle alles Scheisse, aber frag mal einen Syrer oder anderen verfolgten Flüchtling, wo er hin will.
Ja, das ist die richtige Richtung. Wir sollten auch nicht gleich wieder mit allen möglichen Bedenken kommen (nein, unsere Demokratie wird dadurch nicht augehebelt, auch die EU hebelt unsere Demokratie nicht aus, das ist Unsinn) sondern an dieser Vision arbeiten.
Wie schnell und wie weit das gehen kann, ist dann eine andere Frage, aber erst mal sagen, wo wir hin wollen und was die Vorteile wäre.
mein Gott, was für ein Niveau.
persönliche annehmlichkeiten und gut abgehangene verschwörungstheorien.
du hast die dimension des themas wie so häufig nicht begriffen.
halt dich doch einfach raus.
Für mich ja.
Jedenfalls ist Canada ein charmantes Land, das weltpolitisch noch nie unangenehm aufgefallen ist. Wenn die Europa die Freundschaft anbieten, finde ich das prima.
Ja, das finde ich auch. Ich habe dort 1 Jahr lang gelebt und gearbeitet und habe daran sehr schöne Erinnerungen. Ich fühle mich dadurch Kanada näher als vielen Ländern der EU und würde mich sehr über einen engeren Zusammenschluss freuen.