Ich weiß ja nicht, ob ihr’s schon wusstet, aber ich war etliche Jahre Mitglied der Grünen. In Baden-Württemberg. Vor DiB.
Ich bin eingetreten, weil ich geglaubt habe: Hier geht es um echte Veränderung. Um Umwelt- und Naturschutz, um soziale Gerechtigkeit, damals auch um Frieden und ganz wichtig: um Menschenrechte. Es war eine politische Heimat – gerade weil sie unbequem war, streitbar, basisnah und oft sogar ein bisschen idealistisch. Das hat mich begeistert.
Ich war sogar auf grünen lokalen Listen vertreten.
Aber irgendwann habe ich mich zunehmend fremd gefühlt. Nicht, weil ich mich verändert hätte – sondern weil ich das Gefühl hatte, die Partei verändert sich in eine Richtung, die ich nicht mehr mittragen kann. Immer regierungsfähiger, aber auch glattgebügelter. Immer strategischer, aber auch leerer. Die Energie, mit der früher gegen Atomkraft oder Krieg argumentiert wurde, schien plötzlich pragmatischer Bündnispolitik gewichen. Ökologie zur Wirtschaftspolitik. Soziale Fragen wurden oft untergeordnet – oder als zu „links“ belächelt.
Ich empfand euch nur noch als eine Art grüngestrichener CDU (jedenfalls in BW) – der früheren CDU wohlgemerkt – nicht der sich teilweise radikalisierenden Union, die sich langsam aber sicher der AFD annähert.
Deshalb bin ich gegangen.
Mit Habeck und Bärbock dachte ich eigentlich, es ginge wieder mehr in die richtige Richtung. Nun. Es war nicht schlecht, was die beiden versucht haben, aber auch nicht wirklich gut.
Ihr Grünen setzt immer mehr auf Realpolitik. Glattgebügelte Sprache. Basisnähe verschwindet zusehends. Ist Macht wichtiger als die echten Sorgen der Menschen – jedenfalls vieler Menschen.
Nach dem Aus von DiB war mein eigentlicher Plan, wieder bei den Grünen einzutreten, aber – inzwischen kommen mir erhebliche Zweifel.
Ich weiß nicht, ob wirklich klar ist, aber Menschen, die von Sorgen geschüttelt werden, denen ist Natur- und Klimaschutz nicht wichtig. Und dazu gehören nicht nur Krieg und Migration. Wenn der Kühlschrank leer ist, ich meine Miete nicht zahlen kann, falls ich überhaupt eine Wohnung finde, wenn ich nicht mehr günstig von A nach B komme, ständig in der Angst um meinen Job lebe, sind mir grüne Themen schnurz, um es mal deutlich auszusprechen.
Macht bitte nicht den Fehler, soziale Themen aufs Abstellgleis zu schieben.
Es geht nicht nur um Bürgergeldempfänger und Aufstocker, aber auch – auch große Teile der Mittelschicht kommt ins Rutschen – nach unten.
Natürlich braucht es Kompromisse in der Politik. Aber wenn aus Kompromissen Identitätsverluste werden, läuft etwas schief. Die Angst vor einem „Linksrutsch“ zeigt eher, wie weit sich die politische Mitte nach rechts verschoben hat – und wie sehr sich die Grünen davon mitziehen ließen.
Die CDU ist längst nicht mehr Mitte. Sie sind schon sehr weit nach rechts gerückt. Bitte rückt nicht hinterher.
Ich schreibe das, weil ich glaube, dass wir gerade jetzt Parteien brauchen, die nicht auf medialen Applaus schielen, sondern Haltung zeigen. Die nicht Linke diffamieren, sondern für eine solidarische soziale Gesellschaft streiten.
Ich war eine von vielen, die einmal diesen Weg mit euch gegangen sind. Ich bin auch eine von vielen, die sich irgendwann abgewendet haben. Und ich frage mich: Wer bleibt noch übrig, wenn ihr weiter nach rechts rückt?
Und nein – man muss dabei nicht die Wirtschaft außer Acht lassen.
Und nein – schon gar nicht Umwelt und Klima.
Und ja – Bildung gehört definitiv auf die Prioritätenliste.
Lilly