Und für dieses Unrecht sind hauptsächlich wir Europäer verantwprtlich.
Es war die jahrhundertelange - erst christlich-religiös, dann ab dem frühen 19. Jh pseudowissenschaftlich („rassisch“) motivierte, den Ideen der Aufklärung und der damit einhergehenden staatsbürgerlichen Gleichstellung („Judenemanzipation“) diametral entgegen gesetzte - Judenfeindlichkeit, Diskriminierung und Verfolgung (v.a. die sog. Judenprogrome in Osteuropa) in vielen europäischen Staaten - die unter jüdischen Angehörigen europäischer Nationen die politische Idee des Zionismus entstehen ließ, mit dem Ziel einer eigenen nationalen Heimstatt für die Juden aus aller Welt (s. erster zionistischer Weltkongress 1897 in Basel unter Leitung von Theodor Herzl).
Ausnahmsweise waren wir Deutschen dabei (damals noch) nicht die Allerschlimmsten (s. die o.g., vom Zarenregime zur Ablenkung von eigenen Fehlern initiierten „wilden“ Judenprogrome). Sog. antisemitische Ressentiments gab es in vielen europäischen Staaten (s. Frankreich, Dreyfuss-Affäre).
Die zionistische Vorstellung von Palästina als „dem Land ohne Volk für das Volk ohne Land“ erwies sich angesichts der seit vielen Jahrhunderten dort ansässigen arabischen Bevölkerung für die ersten jüdischen Siedler zu Beginn des 20 Jh’s allerdings sehr schnell als (un)frommer Selbstbetrug, über den die zionistische Bewegung jedoch ziemlich unreflektiert hinweg gegangen ist. Umso leichter, als im damals noch relativ dünn besiedelten Palästina genug Platz für die zunächst nur ein paar Zehntausend jüdischen Siedler war.
Einen nicht zu verschweigenden maßgeblichen Beitrag zur heutigen Situation haben dann die Briten im 1. Weltkrieg geliefert, mit gleichzeitigen - unvereinbaren - Versprechungen an Araber und Zionisten (Balfour-Deklaration) die Zukunft Palästinas betreffend.
Ab 1933 haben wir Deutschen uns dann mit der nationalsozialistischen Rassenpolitik und Judenverfolgung als „Geburtshelfer“ eines zukünftigen jüdischen Staates betätigt. Erst durch den Auswanderungsdruck auf die jüdischen Deutschen, von denen viele nach Palästina emigrierten. Und schließlich durch den monströsen Völkermord an rd. 6 Mio. europäischer Juden, der in den Überlebenden die Überzeugung verfestigte, Juden benötigten zu ihrer existenziellen Sicherheit unabdingbar einen eigenen Nationalstaat.
Es war nicht zuletzt das schlechte Gewissen der Vertreter der Europäer und Amerikaner, vor 1939 die jüdischen Deutschen gegenüber Hitler und Konsorten ziemlich allein gelassen zu haben und nach 1939 nicht in der Lage gewesen zu sein, den Völkermord zu verhindern, der in der neu gegründeten, damals noch weitgehend westlich dominierten UNO am 29.11.1947 zur mehrheitlichen Zustimmung (33 Ja / 13 Nein / 10 Enthaltungen) zur Teilung Palästinas in einen jüdischen (israelischen) und einen arabisch-palästinensischen Teilstaat führte.
Ich wage mal die Vermutung, ohne die sog. „Shoah“ hätte es eine solche Mehrheit für einen Teilungsplan wohl eher nicht gegeben. Man hätte der inzwischen ansässigen starken jüdischen Minderheit in Palästina wohl nahegelegt, sich mit der Mehrheitsbevölkerung arabischer Palästinenser in einen binationalen Staat zu arrangieren.
Dass die Araber - insbesondere in Palästina - mit dieser Lösung des europäischen „Judenproblems“ auf ihre Kosten und zu ihren Lasten nicht einverstanden waren und den Teilungsplan, der Hunderttausende Araber einem zukünftigen jüdischen Staat zuordnete, abgelehnt haben, ist m.E. nicht gänzlich unverständlich.
Auch wenn es natürlich aus heutiger Sicht im Interesse der arabischen Palästinenser das Beste gewesen wäre, auf diesen Teilungsplan einzugehen. Der schon auf Grund der unter ökonomischen Gesichtspunkten völlig unsinnigen Grenzziehungen längerfristig einen binationalen Staat mit (etwa wie in der Schweiz) einem israelischen und einem arabischen „Kanton“ beinahe erzwungen hätte.
Und dann haben die Araber noch den Fehler gemacht, die in den umliegenden arabischen Staaten bis hin zum nordafrikanischen Maghreb jahrhundertelang weitgehend unbehelligt lebenden „orientalischen“ Juden für die Entwicklung verantwortlich zu machen und zu verfolgen. Das hat dann noch einmal zu einer zahlenmäßig sehr bedeutenden Einwanderung in den 1948 neugegründeten Staat Israel geführt und diesem ein Stück weit zu einem ausreichenden demographischen „Rückhalt“ verholfen.
Aber das ist alles Geschichte und nicht mehr revidierbar. Die Araber und speziell die Palästinenser (bei denen die Entwicklung eines spezifisch palästinensischen Nationalbewusstseins von der jüdischen Einwanderung kaum zu trennen ist) müssen sich mit der Existenz des Staates Israel abfinden und arrangieren. So wie andererseits Israel die fortbestehende Existenz einer starken arabisch-palästinensischen Bevölkerung in Palästina akzeptieren muss. Und auf die weitere Besiedlung von „Judäa und Samaria“ verzichten, soweit schon erfolgt, diese sogar komplett rückgängig machen muss, um so einen eigenständigen, lebensfähigen Palästinenserstaat im Westjordanland überhaupt erst zu ermöglichen.
Alles Andere wird nur zu weiteren Katastrophen für beide Völker, Israelis wie Palästinenser, führen.