Der entscheidende Konflikt bei Gentechnik ist nicht, ob man diese nutzen will oder nicht. Entscheidend ist eine andere Frage: Wenn ich eine neue Maschine baue und die „Erfindungshöhe“ ist gegenüber schon vorhandenen Maschinen hoch genug, dann erhalte ich Patentschutz für meine Erfindung.
Doch wenn ich den Bauplan eines lebenden Systems ändere, wem gehört der neue Bauplan? Die Pflanze oder das Tier kann sich von allein vermehren und natürlich dabei auch seine Gene rekombinieren. Ich nehme also das Hochkomplexe Genom irgend einer Nutzpflanze mache 0,0001 % Änderungen daran und die Gesamtinformaiton gehört mit dann?
Ich würde sagen: Wenn Gentechnologie für uns so wichtig wird, dann NUR als Open Source: Jede Genänderung kann von jedem genutzt werden!
Da die Genome der wichtigsten Kulturpflanzen inzwischen bekannt und publiziert sind und die modernen Gen-Editierungsmethoden mittlerweile an sich einfach und kostengünstig sind, hätten auch kleinere/regionale Firmen eine Chance auf dem Markt.
Der normale Sortenschutz würde hier wie bei klassischen Züchtungen völlig ausreichen.
Das Problem, was stark zur ‚Monopolisierung‘ beiträgt, sind die aktuellen Regulierungen für alles, was unter den Oberbegriff „Gentechnik“ fällt. Die sind so aufwendig und teuer, dass sich nur riesige Konzerne ein Zulassungsverfahren leisten können. So fördern sie Monopolbildung und schließen kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentlich Institute effektiv aus. Erst durch diese Zulassungshürden (die für Gen-Editierungsverfahren wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen sind) konzentrierte sich die Entwicklung im Bereich landwirtschaftlicher Gentechnik auf Bereiche, die hohe Gewinne versprechen.
Es gibt schon ‚open source‘ Initiativen. Startseite | OpenSourceSeeds
Meines Wissens ist da aber bisher genetisch modifiziertes Saatgut ausgeschlossen.
Finde ich ja im Prinzip sympathisch, aber wer würde dann noch die teure Forschung bezahlen, wenn nur geringe Gewinne möglich sind? Vielleicht wäre ein kürzerer Patentschutz eine gute Lösung?
Wie wäre es mit folgender Lösung (nicht nur bei Gentechnik):
Wenn ein Patent von außerordentlichem nationalen Interesse ist, hat der Staat ein Vorkaufsrecht und man drückt dem Erfinder halt 1 Mrd € oder so in die Pfote (also was er bei geschickter Vermarktung erzielen könnte).
Erfinder sind sehr häufig nicht die Typen, die ihre Erfindung gut vermarkten, Kapital einsammeln und einen Produktionshochlauf gestalten können. Patent einreichen kriegen sie gerade noch hin.
Deshalb erreichen viele gute Ideen niemals den Markt.
Wäre eine gute Lösung, wenn wir in unserem Staat Leute hätten, die was von den Patenten verstünden.
Andreas Scheuer hätte dann das Patent für einen elektrischen Tretroller kaufen lassen.
Und Renate Künast das Patent für eine Kuh, die Milch gibt, ohne gekalbt zu haben.
Ich habe im offiziellen Forum mal ein video gepostet über ein schwedisches team, das die Türme für WEAs aus einer Art Sperrholz baut (mit vergleichbaren Eigenschaften wie Stahl).
Ist schon mindestens drei Jahre her, aber die Jungs kommen nicht in die Hufe. Das ist doch tragisch!
Wenn wir von ‚Erfindungen‘ reden, die z.B. in Agro-Bereich gemacht werden, sind das ja in der Regel keine Geistesblitze von nerdigen aber ‚businessmäßig‘ unterbelichten Genies.
Es geht um organisierte Forschung in industriellen oder universitären Strukturen - und der Patentinhaber ist dann i.d. Regel die Institution/Firma (wobei an der Erfindung beteiligte Mitarbeiter Vergütungsrechte zustehen).
Insbesondere in hoch regulierten Bereichen (z.B. Sortenzulassung Agro, Arzneizulassung Pharma) ist das nur etwas für rel. große Player. Kleine Firmen oder schlaue Einzel-Köpfe aus diesem Umfeld müssen dann rechtzeitig verkaufen.
Es wird auch sicher nicht ohne Patente gehen (auch die Unis und andere öffentliche F&E-Institute (Fraunhofer etc.) bemühen sich ja zunehmend darum).
Es gibt aber Initiativen, die bei global relevanten Kulturpflanzen z.B. die FAO als ‚Rechte-Inhaber‘ sehen wollen, damit bei den wichtigen cash crops nicht nur ‚big agro‘ die Hand 'drauf hat.
Ich weiß nicht, welche Vorstellungen du von der Produktentwicklung in großen Unternehmen hast, aber wir reden hier nicht von Daniel Düsentrieb, der im stillen Kämmerchen an irgendwelchen Genen herumschraubt.
BionTech zumindest hat es geschafft, sehr schnell eine Produktion hochzuziehen.
Erinnere mich. War interessant.
Für mich aber nicht überraschend. Habe ich doch auf Holz-Flugzeugen das Fliegen gelernt. Einschließlich PPL A !
Beachtet werden sollte aber:
Sperrholz, Leimbinder, etc. sind bereits Verbundwerkstoffe. Genau so wie Beton übrigens.
Und damit werkstofflich fast nicht wiederverwertbar.
Stahl sehr wohl !
Das ist meiner Ansicht nach ein weit verbreiteter Mythos. Gehört in eine Reihe mit „Die Agrarsubventionen dienen dazu die kleinen Bauern zu schützen.“ Ich habe dazu eine interessante Buchempfehlung:
According to conventional wisdom, innovation is best left to the dynamic entrepreneurs of the private sector, and government should get out of the way. But what if all this was wrong? What if, from Silicon Valley to medical breakthroughs, the public sector has been the boldest and most valuable risk-taker of all?
Na und?
Es ist absolut üblich für Forscher, dass sie mal an Universitäten gearbeitet haben. Universitäten machen Grundlagenforschung. Die Produktentwicklung findet dann in Unternehmen statt, die sich oft über Risikokapital finanzieren.
Ich hatte nicht nur von der Gen-Forschung gesprochen. Und das ist kein Mythos, schau mal hier:
Hm, interessante Grafik. Die Diskussion gefällt mir. Gib mir noch einen Link bitte, damit ich mir das morgen näher ansehen kann. Jetzt bin ich zu müde.
Klar, Grundlagenforschung ist in der Regel kein ‚Industrie-Job‘…
Fundamentale Durchbrüche stammen meist aus akademischen Institutionen (es gibt bei den Nobelpreisträgern aus der Zeit vor WKII einige wenige Ausnahmen).
Aber spätestens wenn es darum geht, aus einer fundamental neuen Entdeckung etwas Anwendungs-relevantes zu entwickeln - insbesondere auch in Richtung Kommerzialisierung - sind Unis, Forschungsinstitute etc. damit strukturell und finanziell nicht ausreichend aufgestellt.
Es fehlt i.d. Regel das Geld und das know how um die Entwicklung zu einem marktreifen Produkt oder breit anwendbaren Verfahren. Ich denke hierbei vor allem an F&E in hochregulierten Bereichen, wie z.B. Arzneimittelentwicklung.
Obwohl: ich könnte mir vorstellen, dass auch mal einer aus dem Google-Universum in Stockholm was abholen kann, wenn es mit Quanten-Computing wirklich klappt.
.. es ist hilfreich sich klar zu machen, dass unter dem großen Industrie-Balken ‚F&E‘ überwiegend etwas anderes ‚verbucht‘ wird als z.B. im Hochschulsektor…
Unter F&E z.B. bei ‚big pharma‘ entfallen z.T. irre Summe auf Tätigkeiten, die man nicht unbedingt als ‚Forschung‘ im akademischen Sinne einordnen kann: klin. Studien, Syntheseoptimierungen, regulatorische Kosten - fällt alles unter F&E.
Und auch jede Auto-Bude wird sicherlich die Kosten zur technischen Optimierung an einem Fahrwerk oder einer Motorsteuerung (ggf. auch Design-Orgien an der Karosserie) auch unter F&E bilanzieren.
Es liegt in der Natur der Sache, dass es keine scharfe Trennline zwischen den Bereichen geben kann.
Außerdem muss man sich bewusst machen, dass die finanziellen Quellen (also: wer zahlt?) auch heterogen sind: beim Staatssektor ist es einfach…Steuer-Knete.
Aber beim Hochschul- und Wirtschaftssektor wird es unübersichtlich: Hochschulen brauchen neben den staatlichen Geldern (Steuern) aber sog. ‚Drittmittel‘ - auch aus der Industrie - ohne die nichts geht.
Umgekehrt ‚räumt‘ auch die Industrie viel ‚Staatsknete‘ ab… wobei mir nicht ganz klar ist, was in der Statistik alles unter ‚Staatsektor‘ verrechnet ist.
Es gibt bereits Einiges an Nobel-Preis-würdiger Grundlagenforschung in einigen Firmen. IBM z.B. hat bisher mindestens 5 Nobel-Preisträger hervorgebracht, u.a. Gerd Binning für das Raster-Tunnel-Mikroskop. Auch bei der Quanten-Computer-Forschung sind Firmen, wie Google, IBM und D-Wave führend.