Du vergisst dabei die Kleinigkeit, dass Israel aus dem Libanon von der Hisbollah angegriffen wurde, auch Wohnhäuser. Und dass Israel gezielt die Hisbollah aus dem Iran bekämpft, nicht die Libanesen.
Das wäre dann wohl ein weiteres Kriegsverbrechen, wenn die Berichte stimmen
Wenn man sich die Verhältnisse bei uns (zumindest in Westdeutschland) nach WKII anieht, so war es doch ein Segen, dass wir eine zeitlang besetzt waren, und die Besatzer sowohl militärisch, organisatorisch (Polizei und Teile der Verwaltung) als auch wirtschaftlich (Marshall-plan) in einer Übergangszeit dafür gesorgt haben, dass die alten Strukturen keine Chance hatten, sich nach dem Krieg erneut zu etablieren. Was spräche also dagegen, wenn sich der Libanon an die Vereinten Nationen wenden würde, und um Hilfe bei der Stabilisierung bitten würde. Es gibt durchaus (das Flüchtlingsproblem wurde bereits angesprochen) Aspekte, dass sich das langfristig für viele Länder rechnen würde. Außerdem würde tatsächlich den Menschen, die dort leben, damit nicht nru politisch sondern auch wirtschaftlich geholfen.
Woran scheitert so etwas konkret?
Am Festhalten einer “nationalen Souveränität” des Libanon (vertreten durch die libanesische Regierung)?
An der Tatsache, dass es kaum Länder geben würde, die da unterstützend mitmachen würde?
An einer fehlenden Genehmigung durch den SIhcerheitsrat, da Vetoländer wie Rusland natürlich in so einem Fall ihren Einfluss auf die Region schwinden sehen, vor allem, wenn sich der Libanon sich seine Unterstützer selbst auswählen könnte?
An Israel?
An einer Vielzahl von Ländern, die das gleiche beantragen könnten?
Ich weiß es (ausdrücklich leider!) nicht - klar scheint mir nur, dass wegen irgend welcher Aspekte eine solche Lösung (die übrigens auch die UNO stärken könnte) aktuell wohl als Utopie angesehen werden muss.
Es gibt die UNIFIL Mission seit 1978, die genau das eigentlich leisten soll. Sie ist nur leider nicht mit einem „robusten Mandat“ ausgestattet, das auch militärische Gewalt gegen die Unruhestifter in der Region erlauben würde. Gefordert wurde das in all den Jahren immer wieder von verschiedenen Seiten, gescheitert ist es vor allem am Veto der USA, denn ein solches robustes Mandat würde sich nicht nur gegen die Hisbollah, sondern auch gegen die Aktionen der IDF im Libanon richten.
Das ist falsch. Israel bekämpft im Südlibanon eben nicht gezielt die Hisbollah, sondern setzt auf die Strategie der Entvölkerung - der Gedanke mag sein „wenn alle weg sind, ist die Hisbollah auch weg“. Das ist aber keine legitime Kriegsführung, moralisch nicht, völkerrechtlich nicht und sozial ist es auch nicht.
Israel wäre froh, wenn es von der UN gegen Angriffe aus dem Libanon geschützt wäre. Welches Interesse könnte es sonst haben seine Soldaten immer wieder in den Libanon zu schicken?
Weil sich die Hisbollah-Kämpfer immer wieder als Zvilisten tarnen und eine Unterscheidung oft nicht möglich. Was würde die BRD machen, wenn Kiefersfelden immer wieder unter Raketenbeschuss aus Österreich stünde und die österreichische Regierung unfähig oder unwillig wäre, das abzustellen?
Aber für dich sind die Israelis eben die Bösen und Araber die Guten. Daran wird nichts was ich schreibe etwas ändern.
Es ging mir nicht um eine militärische Intervention - ein “robustes Mandat” brauchen wir dafür gar nicht - es muss nur klar sein, dass in einer Übergangsphase (wie auch immer die aussehen könnte) die Polizei und der Verwaltungsapparat sich nicht korrumpieren lassen, und dadurch sicher stellen, dass die Macht vom Staat ausgeht und nicht von “Interessensgemeinschaften” wie Clans oder paramilitärischen religiösen Kräften. Für einen stabilen wirtschaftlichen Aufstieg, der dem Großteil der Bevölkerung zu gute kommt, ist ein verlässlicher Rechtsstaat unbedingt erforderlich. Offensichtlich ist der Staat im Libanon zu schwach, um die dafür notwendigen Strukturen zu schaffen und/oder zu erhalten. Wie also kann man einen solchen Staat bei der Etablierung eines verlässlichen Rechtsstaat helfen (ganz ohne militärisches Mandat)?
Dann hätte Israel nicht auf ein Ende von UNIFIL gedrängt - haben sie aber. Warum wohl?
Trinkwasser ist dort eine lokale Ressource die für beide Seiten knapper wird. Es gibt in Israel Pläne den Südlibanon ähnlich wie das Westjordanland oder die Golanhöhen zu besiedeln.
Ich hoffe doch sehr, dass die BRD dann nicht gleich Wien bombardieren, oder ganz Tirol unbewohnbar machen würde. Und wenn doch, würde es mich nicht wundern, wenn die Ösis und vielleicht auch die Schweizer und Tschechen für die nächsten Wochen eher weniger gut auf den übermächtigen Nachbarn zu sprechen sind.
schreib doch mal was Fundiertes
Ich kanns mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie ein solcher Plan aussieht ohne zuvor den Krieg zwischen Hisbollah und Israel zumindest mal zu einem stabilen Waffenstillstand zu bringen. De facto hat der Libanon keine Kontrolle über weite Teile seines Staates - unabhängig von Korruption und religösen Problemen die es zweifelsohne auch gibt.
Genau das ist ein zentrales Problem des Konflikts. So lange sich daran nichts ändert (und das zieht sich schon seit den kriegerischen Auseinadenrsetzungen der beginnenden 70er Jahre) wird es dauerhafte Stabilität nicht geben - gleiches gilt für Syrien und einige andere Länder in der Region.
Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie auf akute militärische Bedrohung militärische geantwortet wird (was sicherlich in einer Notlage ein probates Mittel zum überleben sein kann), aber wendig darüber anchgedacht wird, wie ein langfristiges Konzept aussehen könnte, an den (sozialen) Ursachen, die diese Notlagen entstehen lassen (oder zumindest deutlich verstärken) etwas zu ändern.
Weil UNIFIL ihr Missionsziel nicht erreicht hat und offensichtlich keinen Schutz für Israelt vor der Hisbollah gab. Die Hisbollah hat sich geweigert, ihre Waffen abzugeben und blieb eine iranische Proxy-Armee in einem fremden Staat. Übrigens ein eindeutiger Verstoß gegen das Völkerrecht.
Es gibt keine offiziellen Äußerungen der israelischen Regierung, die eine offizielle Annektierung oder Besiedlung des Südlibanon zum Ziel haben. Die offizielle Haltung ist die Schaffung von Sicherheit für den Norden Israels durch die Schaffung einer Pufferzone, um die Hisbollah fernzuhalten. Hast du gegenteilige Evidenz?
Denk doch mal was Fundiertes
Das hat aber primär etwas mit der Hisbollah zu tun einem Milizenstaat im Staat.
Weil mir im Moment das martiatialische Stammtischgelaber von Möchtegernstrategen über die richtige Kriegsführung, die analytischen Talkshoweinlagen über Hintergründe und Motive der Kriegsparteien und die friedensfordernden Verhandlungs-Gutmenschen mit ihrem Völkerrecht gleichermaßen auf den Senkel gehen.
Es kämpfen dort im Krieg Menschen um Leben und Tod, um Wasser und Brot, um Unterkunft und medizinische Versorgung, um Geld zum Überleben und um Luft zum Atmen zwischen brennenden Ölanlagen.
Mir geht dieses intellektuelle Sesselgepupe zur Lage der Welt vom Sofa aus, in der wohltemperierten Wohnung am Laptop einfach grade auf den Geist.
Zwei Videos, die man sich vielleicht anschauen sollte. Mir scheint nämlich, dass in der Öffenlichkeit vieles von dem vergessen wurde, was sich in den letzten Jahrzehntnen abgespielt hat und alte Fehler sich in erschreckender Weise wiederholen.
(eine alte Doku von Peter Scholl-Latour aus vom Jahr 1990)
und
(eine Doko aus dem Jahr 2019, die auf Arte nur noch bis zum 26.4. 2026(!) verfügbar ist)
Ich denke, dass die Videos deutlich machen, dass sich viele Exiliraner, die ihr Land als Kinder verlassen haben oder villeicht nie gelebt haben, jetzt aber nach dem Schah rufen, ihr Land, die Menschen und die Nachkriegsgeschicht des Iran eigentlich gar nicht kennen.
Sind so wie die Exilkubaner in Florida.
Übrigens, wenn das auch weit hergeholt erscheinen mag, so meine ich doch Parallelen zu gewissen „neueren“ politischen Entwicklungen in den USA, besonders aber auch in Deutschland erkennen zu können. Der Iran als überforderte Nation.
Meines Wissens hat Israel nie offiziell die vollständige Beendigung von UNIFIL gefordert, dafür aber mehrfach ein ‚robusteres Mandat‘.
Das scheint mir plausibel, denn es ist ja wohl unbestreitbar das UNIFIL in der jetzigen wirkungslosen Form eher eine Karikatur auf UN-Missionen darstellt.
Mehr als ‚Buchhaltung‘ über den Aufbau der militärischen Infrastruktur durch die Hizbollah hat UNIFIL doch kaum zu bieten und hat schon gar nichts zur Durchsetzung des Auftrags der zugrunde liegenden UN-Resolution (‚keine bewaffneten Milizen südlich des Litani‘) beigetragen.
Ja, kann ich irgendwie nachvollziehen. Ich habe auch schon gelegentlich an der Sinnhaftigkeit solcher Diskussionen gezweifelt, zumal wir ja hier keinerlei Handlungsmacht (oder wie man heute so gern sagt ‚agency‘) haben.
Auch unsere Möglichkeiten über diesen kleinen Kreis hinaus meinungsbildend zu wirken sind doch arg begrenzt.
Und niemand hier möchte sich in die Reihe der zahlreichen ‚Sofa-Strategen‘ einreihen. Oder?
Gerade die Unfähigkeit an der multidimensional beschissenen Lage irgend etwas zu konkret ändern zu können erzeugt - zumindest bei mir - das Bedürfnis die komplexe Lage wenigstens soweit zu verstehen, dass man zu einer moralisch, sachlich und politisch gut begründbaren ‚Haltung‘ findet, die man auch anderen gegenüber (nicht nur im grünen Milieu) aktiv vertreten möchte bzw. qualifiziert ‚Contra‘ geben kann.
Vielleicht ist das auch nur ein intellektuelles oder psychologisches Privat-Trostpflaster dafür, dass die eigene Meinung zum Thema (und man selbst auch) nicht mehr Relevanz hat, als der berühmte Sack Reis, der irgendwo in China umfällt.
Ende 2026 ist Schluss mit UNIFIL „wie von Israel und den USA gefordert“.
Und auch früher gabs schon immer wieder Streit zwischen UNIFIL und Israel - eine starke UNIFIL war für Israel immer ein Dorn im Auge. Zum Beispiel hier ein Bericht aus 2024, als Frankreich und Spanien deutlich schärfere Maßnahmen gegen Israel gefordert haben - vergeblich.
Ich kann dafür ein gewisses Verständnis aufbringen. Ich zitiere aus deinem verlinkten Artikel:
Aus israelischer Sicht mehr als nachvollziehbar: Die zentrale Aufgabe, die Aktivität von Terrorgruppen im Grenzgebiet zu Israel zu verhindern, erfüllten die nur für Beobachtermissionen ausgerüsteten UNIFIL-Soldaten nie. Auch nach dem Krieg 2006 kehrte die Hisbollah rasch wieder ins Grenzgebiet zurück und begann erneut, israelische Grenzorte zu terrorisieren. Weder die UNIFIL – bei der Mission sind aktuell auch rund 160 österreichische Soldaten im Einsatz – noch die libanesische Armee unternahmen je ernsthafte Anstrengungen, die Hisbollah zur Einhaltung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats zu zwingen.
verstehe ich. Aber was ist die bessere Alternative?
Das Darüber-reden ist halt auch der Versuch, irgendwie damit klarzukommen.
Und es schadet selten, wir sind schließlich alle machtlos.
Nicht mal die Wahlentscheidung irgendeines Teilnehmers dürfte von den Diskussionen hier beeinflusst werden. Hier ist jede Meinung altersbedingt seit 30 Jahren festgefahren