Wir alle wissen, daß Werbung im Internet heute personalisiert ist: Die Firmen versuchen ihre Werbung genau den Personen anzuzeigen, die vieleicht interesse daran haben? Und was ist so schlimm daran: Wenn man schon Werbung sehen muss, dann doch besser für Abenteuerurlaub als für Treppenlifte oder?
Wisst ihr was RTB ist? Die Abkürzung steht für „real time bidding“
Immer wenn man eine personalisierte Werbung sieht, läuft folgendes ab:
Die persönichen Information die über dich gesammelt wurden, werden in einem Prozess names RTB an tausende von Unternehmen geschickt. Diese Unternehmen sind Werbefirmen aber auch Datenhändler.
Die Datenhändler wollen gar keine Anzeigen verkaufen sondern nur die Informationen aus den Auktionen sammeln und diese weiterverkaufen.
Dieser Prozess liefert also nicht nur personalisierte Anzeigen für dich. Er versorgt staatliche Überwachung und erzeugt gleichzeitig ernorme Sicherheitsrisiken. Es gibt sicher Leute die gern wissen wollen, wer bei BND jeden Tag parkt? Und wie die Leute heißen und wo die Wohnen? Wer arbeitet in welchem Rechenzentrum? Kauf dir die Daten von einem Broker oder nimm selbst am RTB-Verfahren mit einer Tarnfirma teil.
Wie funktioniert Real-Time Bidding?
RTB ist der Prozess der benutzt wird um die Anzeigen zu selektteren welche man auf fast jeder Webseite oder App sieht, die man besucht. Die Anzeigen sind das Ergebniss von Auktionen, die nur Millisekunden dauern und die persönlche Information jeden Tag für tausende von Firmen sichtbar machen, welche an diesen Auktionen teilnehmen. Und so funktioniert das:
In dem Moment in dem man eine Webseite besucht oder eine App mit Anzeigen öffnest, wird eine Firma kontaktiert, die eine Auktion durchführt um zu entscheiden, welche Anzeige dir angezeigt wird. Die Auktionsfirma erhält dafür Informationen über dich und den Inhalt den du gerade ansehen willst.
Die Auktionsfirma pakt alle gesammelten Informationen über dich in eine Auktionsanforderung und schickt diese an tausende von Firmen, die an der Auktion teilnehmen.
Die Auktionsaufforderung kann persönliche Informationen wie deine Eindeuteig Marketing-ID, deinen aktuellen Standort, IP-Adresse, Geräte-Details, Interessen und demograpische Informationen enthalten. [1]. Die Informationen in dieser Auktionsaufforderung werden „bid stream data“ genannt und könne sehr einfach mit echten Personen verknüpft werden.
Die Werbefirmen nutzen diese persönlichen Informationen in der Auktionsaufforderung zusammen mit dem Datenprofil, welches sie über dich über die Zeit angelegt haben, um zu entscheiden, ob sie mitbieten oder nicht.
Werbefirmen und die Plattformen die Anzeigen kaufen, können die persönlichen Informationen speicher, egal ob Sie tatsächlich mitbieten oder nicht.
Die Verwundbarkeit dieses Prozesses basiert darauf, daß halt alle Firmen die an der Auktion teilnehmen deine persönlichen Daten erhalten auch wenn Sie garnicht daran interessiert sind Auktionen zu gewinnen. Jeder der sich als Firma ausgibt, die Anzeigen kaufen möchte, erhält die Daten über Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt, die Webseiten oder Apps mit persönlicher Werbung nutzen. Das ist einer der Hauptwege über den persönliche Daten in die Hände von Datenbrokern gelangen. Die verkaufen diese Information an praktisch jeden der zahlt. Einige der Auktionsfirmen haben Regeln gegen der Verkauf der bidstream Daten, diese Praxis ist weit verbreitet.
Du bist doch Anwalt, Ist es ok für dich, wenn Polizeibehörden solche Daten verwenden? In Amerika passiert das schon ständig. Was ist bei Gesetzen wie dem Absteibungsverbot in viele Bundesstaaten: Die Daten werden verwendet um Personen zu identifizieren, die zu einer Abtreibungsklinik in einem anderen Bundesstaat gefahren sind.
Diese Datensammlungen funktionieren aber weltweit. Auch in Ländern wie Russland oder Saudi Arabien.
Kannst du Dir wirklich nicht vorstellen, wie viel Missbrauch mit der totalen Überwachung der Aufenthaltsorte von Milliarden Menschen passieren kann?
Deswegen brauchen wir wirksame Gesetze gegen den Missbrauch der Daten. In einer Diktatur kann vieles missbraucht werden, was in einem freiheitlichen Rechtsstaat harmlos oder sogar notwendig ist. Mit Deiner Argumentation könnte man auch die Polizei abschaffen.
Ich finde nur, man sollte mehr oder weniger sinnvolle Sachen nicht verbieten, nur weil sie in einem Unrechtsstaat missbraucht werden könnten. Es ist doch egal welche Gesetze wir jetzt haben, in einer Diktatur würden die unpassenden als erstes geändert oder ergänzt werden.
Und das heißt auch nicht, dass ich für unbegrenztes Datensammeln bin. Ich habe aber das Gefühl, wir übertreiben es mit dem Datenschutz manchmal.
Mich irritiert der Rigorismus bei Deiner Argumentation
vorstellen kann ich mir vieles.
Ich wollte nur mal ein paar realitätsnahe beispiele von dir hören, was mit meinen Daten passieren kann und wie mir das schaden kann.
Da kommt dann USA und Saudi-Arabien.
Der Datenschutz im Allgemeinen entwickelt sich m.E. zu einem der größten Bürokratie-Übel das wir haben.
Banales Beispiel: mein Arzt darf mir meine Blutwerte nicht per Email senden, weg Datenschutz. Nicht mal, wenn ich ausdrücklich zustimme.
Das ist pervers. Ich werde vor mir selber geschützt?!?
Solche Sachen gibt es auch im großen Stil.
Mein Sohn macht Datenschutzrecht, der verzweifelt manchmal regelrecht.
Die Bürokratie beklagst Du auf der anderen Seite genauso heftig. Man kann aber nicht alles gleichzeitig haben.
Außerdem sehe ich in mehr Überwachung einen Gewinn an Sicherheit, was man auch gegenrechnen muss.
Im Ergebnis sehe ich beim Zustand unseres Rechtsstaates geringe Risiken, aber eben auch erhebliche Chancen bei weniger Datenschutz.
Mit deinen Daten vielleicht nicht mehr, aber für jüngere Leute kann das zum Problem, wenn sie mal unbeobachtet etwas ausprobieren wollen und ihnen das dann Jahre später um die Ohren gehauen wird.
Auch für Leute in einflussreichen Positionen kann es ein Problem sein, wenn sehr viel über sie bekannt ist, weil sie viele hater haben, die nicht immer wissen müssen, was sie privat regelmäßig tun, wo sie sich aufhalten, wo sie lang fahren usw.
ja, als Politiker oder Promi sieht die Sache anders aus, da kann jede Info Folgen haben.
Ich bin weder Politiker noch Promi noch jung.
Für mich persönlich sehe ich nur ein geringes Risiko.
Darum ging´s mir.
Ob meine Sicht nun Maßstab für den Gesetzgeber sein sollte, sei dahingestellt.
Also dieses Argument ist ziemlich dämlich. Ich widerlege mal: Die Polizei und die Gesetze über die Polizei sind lokal für jedes Land. Wie bei uns die Polizei agiert oder im Dubai, ist unabhängig von einander. Eine weltweite Datensammlung der Bewegungsmuster aller die ein Smartphone haben ist etwas anderes. Dies hat Auswirkungen auf alle Länder.
Wenn diese Datensammlung aufgrund des Verfahren von immer neuen Akteuren aufgebaut werden kann, reicht es nicht dem „Missbrauch“ zu verbieten. Was genau ist an personalisierter Werbung der große Nutzen, daß wir dafür unsere Privatspähre opfern sollen?
Es geht hier ja nicht um irgendwelche Daten. Gesetze gegen Missbrauch gelten nur für Deutschland oder die EU. Die Daten kannst du aber auch in z.B. in Brasilen nutzen und dann an die französicher Polizei oder die Russen verkaufen.
Es gibt meine Ansicht nach hier keine andere Lösung mehr als die heutigen Verfahren für personalisierte Werbung zu verbieten.
Man kann sicher auch Methoden entwickerln, die ohne riesige Sammlugen persönlicher Daten auskommen. Die ganze Sache mit den Auktionen dafür, welche Anzeige mit in der nächsten Sekunde anezeigt wird klingt auch nicht beonders nach Energiesparen. Das ist doch ein irrer Aufwand.
Das ist keine Widerlegung, das ist genau mein Argument: es ist mir egal, wie die Polizei in Dubai agiert, solange sie sich bei uns an Recht und Gesetz hält, stört mich ein gewisses Maß an Datensammlung nicht.
Erstens opfere ich nicht meine Privatsphäre, zumindest bei Weitem nicht soweit wie ich es mit meinen Beiträgen hier tue.
Und zweitens habe ich einen sehr großen Nutzen durch die Nutzung verschiedener Angebote im Internet. Z.B. wenn ich einen Artikel lesen will, der nur mit personalisierter Werbung lesbar ist.