Die Hochmut gegenüber der Biologie

Biodiversität quantifiziert man mit dem Shannon-Index.

Warum entschuldigst du dich dafür? Sind wir in unserer Gesellschaft schon so weit, dass man sich entschuldigen muss, wenn man anderen etwas erklärt?

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Vermutlich, weil er Belehrung bei mir abbestellt hat und es unnötig findet, wenn jemand was erklärt.

Nein, das geht mir bei Informatik auch so.

Nochmal: Mit diesem Problem bist du nicht allein. Wir brauchen mehr Menschen wie Mai Thi Nygen Kim - mehr Wissenschaft in allen Diskussionen.

Das hat aber nichts damit zu tun, daß in jeder Diskussion über alles diskutiert werden sollte. Fokussierung auf ein Thema ist nämlich ein anderes Thema.

Derartige Rundumschläge empfinde ich allerdings als sehr schade. Wir haben extra die Kategorie Das Forum > Feedback in diesem Forum, um genau solche Probleme wie du Sie schilderst zu diskutieren. Bitte nutze dieses Mittel, wenn du konkrete Klagen über die Behandlung deiner Beiträge hast.

Keep fighting!
Jörg

Wenn Du das so genau weißt…

..braucht man natürlich den Fachmann

Bei völliger Unkenntnis gerät man leicht an die Falschen.

So ist es.

Das würde ich so generell nicht sagen, ich hatte es sehr spezifisch gemeint.

Interessant finde ich, dass hier sofort Befürchtungen kommen, die Menschen würden sich überschätzen. Das stimmt einerseits (90% der Autofahrer halten sich für überdurchschnittlich gute Autofahrer), andererseits sollte man die Menschen aber auch nicht unterschätzen.

Da sind wir uns einig.
Du hast einen guten Faden geschlossen und archiviert, weil du missverstanden hast, dass dein Titel unklar war. Du nahmst an, ich wolle den Faden nach meinen von dir so empfundenen Nebenthemen umbenennen.

Dies ist das Thema dieses Fadens. Wer entscheidet, ob der Beitrag noch zum Thema ist? Der Experte in diesem Fach oder der Fadeninhaber?

In diesem anderen Faden sollten wir uns also erschrecken über die Folgen dessen, was „auf uns zu kommt“ und die Diskussion von Lösungsvorschlägen oder gar ein passender Titel sind nicht mehr im Fokus?

Es ist ein inhaltliches Problem.

Das Verschieben und Umsortieren ein anderes, das vielleiht tatsächlich zu Feedback gehört.

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Naja, bei dir ist das relativ offensichtlich. Keine drei Biologen können dir das mit der Diversität der Fläche erklären. Du bleibst bei deinen Promille und den Unsicherheiten bei binär/digital hängen und die Sache geht nicht voran.
Eine inhaltliche Entwicklung ist nicht erkennbar.

Ich bin da alles andere als unsicher.

Ich habe hier auch noch kein Argument gelesen, warum für die Vernetzung gerade die Vorgärten so wichtig sein sollten. Die kann doch über die Hauptgärten erfolgen.

Aber schön, dass du dich an mir abarbeiten kannst. Ich halte es aus. :sunglasses:

Dann geh in den Faden zu Schottergärten, da steht alles drin.
Sonst mach einen Spaziergang und schau dir eine Straße mit und ohne Schotter an. Setz dich jeweils eine halbe Stunde auf den Bürgersteig daneben und beobachte, zähle, miss die Temperatur.

Zurück zur Leitthematik:
Es ist nicht nur schnöder Hochmut gegenüber der Biologie, der zunehmend bemerkbar wird - es sind auch ideologisch getriggerte Angriffe auf bestimmte Bereiche der Biologie.
Wie man in den USA schon sehr gut beobachten kann, steht die Biologie einer ernsten Bedrohung durch eine vermeintlich „fortschrittliche“ Politik gegenüber, die Bereiche der Biologie abgrenzt, die tabu sein sollen, nicht mehr finanziert oder in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht werden sollen.

Die Wissenschaft, die uns so viele Fortschritte gebracht hat - von der Struktur der DNA bis hin zur grünen Revolution und der Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen - ist durch politische Dogmen gefährdet.
Aus der Geschichte der Biologie sollte jeder das Lysenko-Desaster in der Landwirtschaft der Sowjetunion der 30/40er Jahre kennen, bei dem Ideologie über Wissenschaft gesiegt hatte.
Die Älteren in diesem Kreis erinnern sich vielleicht an die Kulturkriege, in denen sich progressive Linke mit Zentristen und Rechten gestritten haben. Damals ging es bei diesen Auseinandersetzungen um politische und soziokulturelle Fragen, und in der Wissenschaft waren sie weitgehend auf die Geisteswissenschaften beschränkt. Abgesehen von diesen „soziobiologischen Kriegen“ in den siebziger Jahren und den immerwährenden Kämpfen gegen den Kreationismus dachte man innerhalb der Biologie (und anderen MINT-Fächern) die wissenschaftliche Wahrheit sei immun gegen Angriffe oder Verzerrungen durch politische Ideologien …und die meisten Forscher/innen waren zu sehr mit der Arbeit im Labor beschäftigt, um sich auf parteipolitische Streitereien einzulassen.
Inzwischen sehe ich die Lage kritischer.

Aus politisch/religiös konservativen Kreisen wird zunehmend versucht, die Evolutionsbiologie aus Schulbüchern zu verbannen (aktuell u.a. Türkei, Polen, Indien, dauernd USA).
In ‚postkolonial‘ denkenden Milieus wird die Gleichwertigkeit von tradiertem indigenen Wissen (‚indigenous ways of knowing‘) mit evidenzbasierter und theoretisch fundierte ‚moderner‘ Wissenschaft behauptet.
In weiten Teilen des Grünen-Milieus herrscht eine fast religiöse Antihaltung gegenüber modernen molekularbiologischen Methoden für die Landwirtschaft. Die Absolutierung des Vorsorgeprinzips und die Weigerung wissenschaftlicher Evidenz zu folgen, blockiert in Deutschland und Europa notwendige Agrarforschung.
Wenn sich die Humanbiologie für Verhaltensmuster und psychologische Unterschiede z.B. zwischen M/W interessiert, kommt aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Umfeld der Konter: alles ‚Sozialisation‘ (‚blank slate‘ Ideologie), dabei gibt reichlich empirische Daten die belegen, das Genetik und unser evolutionäres Erbe sehr wohl eine wichtige Rolle spielen. Von dieser Leugnung der Bedeutung unserer biologischen ‚Grundkonstruktion‘ (manifestiert in der Gehirnarchitektur) durch den sozialpsychologischen Mainstream ist auch das Gebiet ‚evolutionäre Psychologie‘ betroffen.
Biologen geraten noch mehr unter ideologischen Beschuss, wenn sie sich - gerade bei dramatisch schnell wachsenden Datenbeständen - zum Studium genetisch bedingter Unterschiede zwischen Individuen entschließen (sei es Verhalten, Kognition, Anfälligkeit f. Krankheiten etc.).
Dann kommt aus allen vermeintlichen ‚fortschrittlichen‘ Ecken sofort der Vorwurf des ‚Biologismus‘ - bis hin zum Eugenik-Vorwurf. Auch der Rassismusvorwurf ist nicht weit, wenn genetische mit ethnischen Daten korreliert werden.
Die meiner Meinung nach krasseste Entwicklung besteht in dem Versuch auf Basis ‚postmoderner‘ Denkweisen fast alles im menschlichen Dasein als ‚sozial konstruiert‘ zu definieren, von ‚race‘ bis Sexus und dabei eine ‚Deutungshoheit‘ über die Biologie und ihre empirischen Daten gewinnen zu wollen: nein, menschlicher Sex ist biologisch binär und kein Spektrum, eine Frau ist immer noch ‚an adult female human being‘. Das ist nicht der Herrschaftsbereich sozial-psychologischer Denkschulen und deren Identitätskonzepten, die von mir aus beliebig empiriefrei definiert werden können.

Ich würde mir in diesem Forum eine differenzierte, strukturierte und faktenbasierte Diskussion zu diesen jetzt nur angerissene Stichworten wünschen.

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Die „religiösen“ Haltungen sind vermutlich auch biologisch zu erklären, sie bieten Sicherheit, wenn man sich mit einem Thema nicht näher beschäftigen möchte oder den Menschen, die es voran treiben, nicht vertraut.

Man könnte die Molekularbiologie in der Landwirtschaftsforschung auch biologisch/biochemisch diskutieren unter dem Gesichtspunkt, welche Moleküle man gern von den Pflanzen produziert sehen möchte und welche auf keinen Fall.

Du kannst ja mal einen thread dazu aufmachen und Leute dazu einladen, die sich damit näher beschäftigt haben.

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Interessant, dass Sicherheit und Vertrauen typisch psychologische Konzepte sind, weniger biologische.
Molekularbiologie in der Landwirtschaft würde mich auch interessieren. „Maithink“ z.B. hat eine Sendung zu grüner Gentechnik gemacht, die mir gefallen hat.

Dieser „blank slate“ ist auch in der Psychologie sowas von veraltet.

Ich habe den Eindruck, dass du das, was dir so in der politischen Diskussion begegnet, als Mainstream missinterpretierst. Sowohl Psychologen als auch Soziologen haben mit angeborenen Unterschieden überhaupt kein Problem. (Geschlechtsunterschiede gibt es übrigens nicht nur in der Gehirnarchitektur, sondern in fast allen Funktionen. Viele der beobachteten physiologischen Unterschiede scheinen auch die Wirkung zu haben, Unterschiede auf der Verhaltensebene zu vermindern.)
In der Klinischen Psychologie ging das Vertrauen in die Neurobiologie und Genetik allerdings teilweise zu weit, so etwa beim Thema Serotoninhypothese der Depression mit genetischen Unterschieden, wo nun mühsam zurückgerudert werden muss und viele Chancen auf andere Forschungswege übersehen wurden.

Die Diskussionen um nature or nurture ist teilweise unterirdisch flach. Das liegt aber hauptsächlich nicht an den Wissenschaften, weder an der Psychologie, auch nicht der Sozialpsychologie, noch an der Biologie, sondern an einem bei Laien mangelnden Verständnis der Interaktion, die unser ganzes Leben begleitet (große Themen in Entwicklungspsychologie und Klinischer Psychologie), sowie am „motivated reasoning“, das in politisierten Themen eine besondere Rolle spielt und etwa in der Sozialpsychologie untersucht wird. Hier ein Blogbeitrag über selektive Fakten in den USA, sowohl rechts als auch links, aber auch in der politischen Mitte, mit einem Appell, die Fehlbarkeit von Menschen nicht nur beim politischen oder ideologischen Gegner zu sehen, sondern auch bei sich selbst: "Misinformation" isn't just on the right
Beispiele dafür gibt es auch in Deutschland viele.
Einen bias allerdings meine ich auch bei dir @OberdiUl zu erkennen: Eine herablassende Sicht auf die Psychologie, insbesondere Sozialpsychologie. Dabei könnte sie deine Kritik untermauern. Diese Chance nimmst du dir.

Aus Motivated Reasoning / Motiviertes Denken – PSYLEX :

Definition: Motivated Reasoning
‚Motivated reasoning‘ (Motiviertes Denken; Motiviertes Schlussfolgern) ist ein Phänomen, das in der Kognitionswissenschaft und Sozialpsychologie untersucht wird und das emotional voreingenommene Überlegungen und Argumentationen benutzt, um Rechtfertigungen zu produzieren oder Entscheidungen zu treffen, die am meisten erwünscht sind, anstatt die Schlüsse, die die Belege genau wiedergeben, während gleichzeitig kognitive Dissonanzen verringert werden.
Mit anderen Worten: Motivated reasoning ist die Tendenz, Argumente für Schlussfolgerungen zu finden, von denen wir glauben wollen, dass sie stärker sind als Argumente für Schlussfolgerungen, die wir nicht glauben wollen.
Dieses motivierte Denken kann dazu führen, dass sich trotz substanzieller gegenteiliger Belege/Beweise falsche Überzeugungen bilden und, dass man sich daran festhält.
Das gewünschte Ergebnis wirkt wie ein Filter, der die Bewertung von wissenschaftlichen Belegen und die anderer Personen beeinflusst.

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Paradoxerweise ist dieses ‚fortschrittliche‘ Vorsorgeprinzip extrem konservativ, weil es jegliche Veränderung blockiert, zu der auch nur leiseste Bedenken geäußert werden.

Aber wie bekommt man da ein gesundes Mittelmaß hin?

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Schöner Ausdruck. Den werde ich mir in den aktiven Wortschatz holen.

Eigentlich ist das beides Biologie.
Also auch wenn sich durch „nurture“ etwas im Gehirn verändert, weil das Gehirn ja ein biologisches Organ ist.

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Da kann ich als Physikerin noch was draufsetzen: Eigentlich alles Physik :wink:
Ich würde solche Begriffe da einordnen, wo es am meisten dazu zu sagen gibt. Wobei es natürlich große Überschneidungen gibt.
Vertrauen und Oxytocin, Angst und Amygdala, klar, das sind relevante Zusammenhänge. Aber du hast über das Erleben der Menschen geschrieben. Das würde ich doch zuerst in der Psychologie verorten.

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Ja, das ist es. Das bestreitet aber auch niemand. Das ist der Unterschied zwischen Physik und Biologie.

Von „Physikismus“ (anlalog zum „Biologismus“) habe ich zumindest noch niichts gehört.

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Thermodynamik. Wer liebt sie nicht.

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Schön, aus berufenem Mund zu hören, dass es so ist. Ich bin immer noch von Pinker ‚geprimed‘ (obwohl das Buch schon 20 Jahre alt ist). Er sprach mir damals aus der Seele - und ich erlebe es heute immer noch in Diskussionen (politisch getrieben, nicht wissenschaftlich), dass bei ‚nature vs. nurture‘ nur die ‚nurture‘ Position als politisch ‚korrekt‘ gilt and andere Ansichten als ‚Biologismus‘ abgetan werden.
Ich kann mir natürlich nicht anmaßen, zu Beurteilen, wo der aktuelle ‚Mainstream‘ in der (Soz.-)Psychologie gerade verläuft. Wenn der Behaviorismus endgültig tot wäre, würde ich mich freuen.

Eine hervorragende Darstellung darüber, wie eine naturwissenschaftlich seriöse Erforschung der Biologie des menschlichen Verhaltens aussehen und mit welchen Methoden man arbeiten sollte, habe ich in Robert Sapolsky’s Standardwerk Behave. The Biology of Humans at our Best and Worst (2017) gefunden.

Zugegeben, da habe ich wohl einen ‚bias‘, weil ich mich immer noch daran erinnere, wie die Mainstream-Sozialwissenschaften vor Jahren über E.O. Wilson hergefallen ist und ‚Soziobiologie‘ sowas wie ein ‚dirty word‘ war. Ich gelobe Besserung.

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Wenn’s jetzt noch physikalischer wird landen wir aber auch in den (für mich noch undurchsichtigen) Debatten über den ‚freien Willen‘ :roll_eyes: :smirk: :face_with_raised_eyebrow:

hossenfelder free will - YouTube

(Dafür habe ich gerade keinen ‚freien Valenzen‘ mehr :slightly_frowning_face: :thinking: :worried:)

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