Ja, mit Unterschieden muss man leben, so gut es geht. Mir liegt weder Ankläger noch Richter, und die Menschen sind, wie sie sind. Ich gehe auch wahrscheinlich von deutlich weniger persönlichem (psychologischem) Handlungsspielraum aus als die meisten.
Aber in der Nachhaltigkeitsdebatte ist das Thema längst da, und es wäre ein Wunder, wenn nicht.
Da sind einmal die Zahlen/Fakten:
Das eine Paper oben sagt, dass für eine nachhaltige Energieversorgung in Europa kaum Spielraum für Ungleichheiten bleibt, und das andere Paper zeigt, dass sich in der (globalen gehobenen) Mittelschicht sehr viel Richtung Nachhaltigkeit tut, und dass hier das Verhalten offenbar mehr angepasst wird als in der Oberschicht. Das passt nicht ganz zu
Und ohne eine Verhaltensänderung der ganz Reichen können die globalen Ziele nach den jetzigen Prognosen nicht erreicht werden.
Dies zusammengenommen ist einfach objektiv problematisch. Eine Lösung habe ich dafür nicht. Man wird die sehr reichen Leute nicht zwingen können, ihren Ressourcenverbrauch einzuschränken, jedenfalls nicht über die Kosten, aber veränderte soziale Normen in ihren Kreisen könnten etwas ausrichten. Vielleicht. Hoffentlich.
Ein anderer Aspekt ist, dass das Gefühl für Fairness eine „weiche“ Größe darstellt, mit einigen Einflussvariablen. Die gegenseitige Wahrnehmung von verschiedenen Milieus/sozialen Schichten ist ein weites Forschungsgebiet in der Sozialpsychologie, politischen Psychologie und der Ökonomie. Wahrgenommene Fairness spielt eine zentrale Rolle mit weitreichenden Folgen in praktisch allen Politikfeldern.
Dass die Vertretung der Bevölkerung im Parlament und anderen Entscheidungsinstanzen nicht soziologisch repräsentativ ist, wurde in anderen threads thematisiert. Ich bin mit dir der Meinung, dass das nicht nötig und vielleicht auch nicht wünschenswert ist. Damit das aber funktionieren kann, müssen die Milieus genug übereinander wissen und über Ressentiments hinwegkommen. Das gilt für beide Richtungen, nach oben und nach unten, und auch offen vs konservativ.
Diejenigen, die von Angehörigen anderer Milieus politisch vertreten werden, müssen sehr viel Vertrauen aufbringen, und wenn Fairness in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen nicht genügend beachtet wird, ist diese Vertrauensbasis erschüttert. Genau dies ist passiert, und viele politische Verwerfungen sind darauf zurückzuführen. Es ist wichtig für Entscheider in Politik und Wirtschaft, zu verstehen und zu berücksichtigen, wie Fairness von den unteren sozialen Schichten (über verschiedene Pfade) wahrgenommen wird.
Für mich ist das ein Aspekt von Realismus, der umso wichtiger ist, da die Herausforderungen so groß sind.
Gesundheit:
Ein wichtiges Thema für sich. Es gibt neben den individuellen Verhaltensunterschieden und den direkten Umwelteinflüssen, wie berufliche und Wohnsituation, einige gesellschaftliche, politisch steuerbare Rahmenbedingungen, die Verhalten und Umwelt beeinflussen. Stichwort public health. Ein Beispiel ist in diesem thread ausgeführt: https://das-gruene-forum.de/t/adipositas-eine-aufgabe-nicht-nur-fuer-das-gesundheitssystem/2054?u=dape12345. Dort könnten wir auch soziale Unterschiede in der Gesundheit diskutieren, oder vielleicht lohnt sich ein eigenes Thema zu public health.
Soziale Unterschiede und Public health spielen über (gesundheitliche) Risikofaktoren auch bei den Auswirkungen der Klimakrise und bei den Anpassungsmaßnahmen eine Rolle, also auch im Thema nachhaltiger Wohlstand.
Das ist nicht ausreichend. Die Emissionen der (globalen) Mittelschicht sind bereits zu hoch, und die Unterschicht in D entspricht der globalen Mittelschicht.
Gerade bei den ärmeren in Europa können erhebliche Effizienzgewinne vor allem beim Heizen erreicht werden, und diese sind auch notwendig zum Erreichen der Ziele.
Nachzulesen in den links hier: https://das-gruene-forum.de/t/die-gruene-lebensluege-klimaneutraler-wohlstand/2399/71?u=dape12345
„Zuerst die anderen“ ist ein klassischer Verzögerungsdiskurs.