in der Theorie, auf einem abstrakten Level, ja, praktisch nicht.
Wenn mein Geld nicht dafür reicht, einen zivilisatorischen Mindeststandard zu halten, wird das mit der Würde schon manchmal schwierig. Und da kommt es dann auch auf den allg. Standard der jeweiligen Gesellschaft an, der den Vergleichsrahmen darstellt. Wenn Du bei uns mit sichtbaren braunen Zahnstümpfen rumläufst, weil Du Dir keine Zahnbehandlung leisten kannst, kratzt das schon an Deiner Würde. In sehr armen Staaten im Süden mag das anders sein, wenn es so viele Menschen trifft, dass es als normal gilt.
das muss jeder für sich beurteilen, und in einer Demokratie kann auch der Gesetzgeber das beurteilen und es per Gesetz verbessern/verändern.
Aber die entscheidende Fehleinschätzung liegt doch idealerweise ganz woanders:
wenn niemand mehr für einen schlechten Lohn Pfleger oder Krankenschwester wird, dann entsteht Knappheit und die Preise (=Gehälter) steigen. Reiner Kapitalismus, sozusagen 
Da steckt dann aber auch die Veranwortung und die Macht der Arbeitnehmer: wer Pfleger wird, weiß, was ihn finanziell erwartet. Ergreift er den Beruf trotzdem, darf er sich eigentlich nicht beschweren. Will er mehr verdienen, muss er halt einen anderen Beruf wählen - und genau das ist der Schlüssel zur Lösung, siehe oben.
Das ist ein Faktor, den wir noch nicht besprochen haben:
wenn ich „reich“ / finanziell erfolgreich werden will, muss ich klären, ob ich in einem Markt arbeite, der das hergibt.
Wenn ich Biologie auf Lehramt studiere, weiß ich, dass ich nicht reich werde, aber anständig versorgt bin.
Will ich mit Biologie reich werden, kann ich forschen und ein start-up gründen (Biontech u.ä.), das Risiko ist zwar groß, aber die Chancen auch. Oder ich versuche, Partner bei einer Venture-Capital-Gesellschaft zu werden, die sich mit Biotech-Investments befasst, da kann man richtig viel Geld verdienen. Wahrscheinlich gibt es auch in Unternehmensberatungen Posten für Biologen.
Auch als Jurist stellt sich die ähnliche Frage: Richter, Versicherung, Anwalt? ggf. Notar, wenns dafür reicht? Finanziell ein großer Unterschied.
Ohne einen zahlungskräftigen Markt ist es jedenfalls schwer bis unmöglich, gutes Geld zu verdienen. Wer sich einen Markt aussucht, von dem er weiß, dass dort schlecht bezahlt wird, muss mit den Konsequenzen leben und darf sich nicht allzu laut beschweren. Augen auf bei der Berufswahl.