Der Kanzler sagt klar wie es ist und wie das Problem gelöst werden kann

Äh, von welchem Kanzler sprichst du bitte? Eingeführt hat die Vermögenssteuer Adenauer (von dem auch das Zitat im ersten Beitrag stammt) und abgeschafft hat Sie Kohl.

In Südkorea, einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt, starb kürzlich ein Mann namens Lee Kun Hee. Er war der frühere Chef des Samsung-Konzerns und der reichste Mann des Landes. Sein Vermögen betrug rund 18,6 Milliarden Euro. Als es an seine Familie überging, wurde eine Erbschaftsteuer von 8,9 Milliarden Euro fällig – ein Steuersatz von 47 Prozent. Den Verwandten blieben rund 10 Milliarden Euro.

Immer noch weit mehr, als sie jemals werden ausgeben können.

(Ein weiteres Zitat aus dem Artikel im ersten Beitrag)

Wir reden vom gleichen Kanzler. Die Einführung durch Adenauer war weitestgehend eine Alibisteuer, die etwas Geld einbringen sollte, ohne den Reichen eine ihrem Einkommen und Vermögen nach gerechte, finanzielle Mitwirkung zumuten zu müssen. Diese Einführung würde ich nicht als Verdienst sehen. Die Beurteilung im von dir verlinkten Artikel fällt ja dementsprechend aus:

„In den 1920er-Jahren lag die vermögensbezogene Besteuerung bei ca. 2,5 % des BIP. Bis zu den 1970ern verlor sie an Bedeutung.[13] Ein Artikel in der SZ bewertete die heutige vermögensbezogene Besteuerung in Deutschland als relativ niedrig. Das liege auch daran, dass in anderen Ländern oft eine höhere Grundsteuer erhoben werde.[14] Wegen der niedrigen vermögensbezogenen Besteuerung wurde Deutschland 2013 als „Reichenparadies“ bezeichnet.[1

Zur Nicht-Erhebung seit 1997 (sie wurde nie abgeschafft!) ist es wohl dazu gekommen, weil das Bundesverfassungsgericht die Ungleichbehandlung verschiedener Vermögensarten als GG-widrig moniert hat. Also hat man’s lieber gleich gelassen, anstatt plötzlich Firmen und Immobilienwerte gleichberechtigt heranzuziehen.

Das Theater wiederholt sich aktuell in einer anderen Variante: Natürlich führt die aktuelle Grundsteuerreform zu einer finanziellen Neubewertung vieler Immobilien. Für die im Erbschaftsfall dann auch mehr Erbschaftssteuer zu zahlen sind. Ich habe mich fast schon gewundert, dass FDP und Lobbygruppen nicht schon früher aus ihren Löchern gekrochen kommen sind…

1 „Gefällt mir“

Hier ein sehr erhellender Bericht warum auch die letzte Erbschaftssteuerreform gescheitert ist und wohl wieder vor dem Bundesverfassungsgericht landen wird:

Einer der Hauptakteure ist die Stiftung Familienunternehmen repräsentiert Familienunternehmen, die in der Mehrzahl milliardenschwere Großkonzerne sind, die mit dem Mittelstand nur gemein haben, dass sie inhabergeführt sind. Ein Verdacht drängt sich auf: Hier nutzen Familie Henkel (Umsatz ihrer Firma: 19 Milliarden Euro), Familie Trumpf (Umsatz: 2,81 Milliarden Euro) oder Familie Hager (1,9 Milliarden) den guten Ruf von Hunderttausenden echten Mittelständlern, um ihre politischen Interessen durchzusetzen.

Das ist pikant, weil die Stiftung Familienunternehmen als gemeinnützig gilt. Der Staat, stellvertretend für uns Bürger, gewährt ihr Steuerprivilegien, weil er glaubt: „Was sie tut, ist gut für uns alle.” Laut Bundesfinanzministerium darf eine gemeinnützige Organisation nicht politischen Zwecken verschrieben sein, nur „gelegentlich” darf sie sich äußern. Weil die Organisation Attac sich sehr vehement für eine Finanztransaktionssteuer einsetzte, sprach ihr das zuständige Finanzamt zwischenzeitlich den Status der Gemeinnützigkeit ab; der Bundesfinanzhof bestätigte dieses Urteil im Februar 2019. Dieser Logik nach dürfte die Stiftung Familienunternehmen längst nicht mehr gemeinnützig sein.

Der Artikel beschreibt gut die Techniken der Lobbyarbeit. Die sind aber keineswegs spezifisch für Reiche. Wir Grüne machen doch auch jede Menge ‚Infoveranstaltungen‘, oder?

Der Artikel zeigt aber unfreiwillig auch sehr gut, wie ein fachfremder Journalist seine ebenso fachfremde Leserschaft manipuliert.

Seine Kernthese ist ja, dass das Argument der Arbeitsplatzgefährdung nicht stichhaltig sei. Er versucht, das zu ‚belegen‘ mit der Unmöglichkeit, Beispiele aus der Vergangenheit für solche Jobverluste zu nennen. Kunststück! Weil die Erbschaftsteuer dank Ausnahmeregelungen nie hoch genug war, um Jobs zu killen.
Ebensogut könnte man fragen, wann in der Vergangenheit jemals ein Spritpreis von 10 € Jobs in der Automobilindustrie gekostet hätte.

Das Argument der Arbeitsplatzgefährdung ist selbstverständlich stichhaltig. Natürlich trifft das nicht auf jedes Unternehmen, jede Unternehmenssituation und jeden Erbfall zu (und wurde von der Lobby natürlich aufgebauscht), aber in jedem Unternehmen gibt es einen Bilanzbuchhalter, der Dir genau ausrechnen kann, ab welchem Erbschaftsteuerbetrag das Unternehmen von den Erben nicht mehr so weitergeführt werden kann wie zuvor.

Eine Alternative wäre, das Unternehmen zu verkaufen und die Steuer vom Verkaufserlös zu bezahlen. Aber wer käme denn als Käufer in Betracht? Hedgefonds sind dafür prädestiniert. Die können die höchsten Preise zahlen, sind aber auch berüchtigt dafür, dass sie das Unternehmen erst ausplündern und dann mittelfristig vor die Hunde gehen lassen.

Der Krautreporter scheint mir ein linkes Hetzblatt zu sein. Die Formulierungen sind zwar geschliffener, aber inhaltlich ist das AfD-Niveau.

Viele der Super reichen Familienunternehmen die sich mit der Stiftung Familienunternehmen tarnen sind Aktiengesellschaften. Und wenn der Enkel von irgend einem Gründer nicht mehr die Mehrheit der Aktien von so einem Unternehmen hat, passiert was?

Ich erinner mich noch gut an die Bauernproteste jedes mal wenn es um die Subventionen für die Bauern ging. Die armen Kleinbauern mit ihre Traktoren fuhren dann zu medienwirksamen Demo. Bis heute ist die Liste der Empfänger von Agrarsubventionen in Deutschland geheim. Warum wohl? Die Kleinbauer sind genauso wie die kleinen Familienunternehmen ein Schutzschild für Superreiche Arschlöcher. Pardon my french.

Und was ist mit denen, die nicht reich geboren wurden und sich ihren Reichtum erarbeitet haben?

Unterschiede im Vermögen sind nicht per se ungerecht.
Gleichmacherei durch den Staat ist nicht per se gerecht.
Irgendwie wird eine ungleich Verteilung des Geldes gleich mit Ungerechtigkeit gleichgestellt.
Da gibt es Leute die hängen sich rein, sind mutig, kreativ, etc. und machen damit Geld.
Andere tun nichts oder nur das Notwendigste und haben weniger Geld.
Ich finde das nicht ungerecht. Ich finde es ungerecht, wenn erstere Leute die finanzieren sollen, die nicht arbeiten wollen. Bedingungsloses Grundeinkommen ist z. B so ein Quatsch.
Ich schreibe wollen, weil bei denen die wirklich nicht arbeiten können es eine andere Sache ist.
Also bitte etwas differenzierter als ein eine Vermögenssteuer.
Erbschaftssteuer ist da schon eher eine diskutable Möglichkeit.
Und vor allem nicht als Gerechtigkeitsfrage tarnen, wenn es darum geht Geld für den Staat aufzutreiben.

1 „Gefällt mir“

Erblasser haben üblicherweise mehr als einen Erben. Für eine Mehrheit reicht es dann eh nicht mehr, höchstens für eine Sperrminorität. Erbengemeinschaften sind übrigens sehr häufig sehr zerstritten.

Und wenn die Erben dann wegen der Steuer einen erheblichen Teil der Aktien an der Börse verkaufen müssen, gibt es einen Kurssturz. Wie letztes Jahr, als Elon Tesla-Aktien im Wert von gerade mal 11,8 Mrd vertickt hat.

So ein Kurzsturz trifft zunächst mal Kleinanleger, die sehr gerne einen ‚stop loss‘ aka automatischer Verkauf bei Kursunterschreitung eingerichtet haben.

Zweitens trifft es institutionelle Anleger, insbesondere Aktienfonds, denen das die Rendite verhagelt. Die meisten Kunden von Fonds sind noch kleiner als Kleinanleger.

Drittens ruft das die shortseller auf den Plan, was den Abwärtstrend weiter verstärkt.

Hast Du da mal eine Liste? Habs grad mal überprüft. Henkel ist keine AG, ALDI nicht, Lidl nicht …

Von Erbschaftssteuer sind die ja dann eher wenig betroffen oder?

Und diese Menschen die aus eigener Kraft sehr sehr Reich geworden sind: Wie viele sind das?
In unseren Köpfen vieleicht die Mehrheit, aber das lieg nur daran, daß sie Erbreichen eines
perfekt können: Nicht auffallen.

Zwei schöne Grafiken

aus diesem Artikel: Wie mächtig sind Millionäre, Multi-Millionäre, Superreiche?

Nein, zwei entlarvende Grafiken.

Die Frage in der ersten lautete: „Wie hoch schätzen sie die Ungleichheit ein?“. Anwort: „Sehr hoch“ und Krautreporter macht daraus „Sehr großes Problem“.

In der zweiten Grafik wird impliziert, dass ein Gini-Koeffizient von 0 ideal sei (durch Gegenüberstellung gegen 1).

Disclaimer: über eine klug gemachte Erhöhung der Erbschaftsteuereinnahmen kann man mit mir viel leichter verhandeln als über eine generelle Vermögensteuer. Mit meinem rant oben wollte ich nur diese dummdreiste ‚Argumentation‘ von Krautreporter entlarven. Wir sind doch sonst auch so sehr gegen Populismus.

1 „Gefällt mir“

Ja, man kann jetzt über die Überschrift diskutieren oder über die Daten.
Vermögensunterschiede werden unterschätzt bzw. Einkommensunterschiede überschätzt.

Eine (minimale) Vermögenssteuer (sage wir 0,1% oberhalb von 100 Mio Euro) wäre schon deshalb sehr sinnvoll um überhaupt die aktuelle Situation richtig messen zu können. Des im Moment sind das ja
alles nur grobe Schätzungen. Die Zeitschrift Forbes ist eine der Standardquellen.

Ich empfinde mich als ein Paradebeispiel (in sehr kleinem Maßstab): Das ich Millionär bin verdanke ich meinem Erbe und nicht meiner - ziemlich gut bezahlten - Lohnarbeit. Ab dem Zeitpunkt an dem man mehr Geld hat als man braucht, vermehrt sich das Geld (meistens) von allein.

Wenn wir nichts unternehmen gegen den Verband der Familienunternehmen dann enden wir wie im Feudalstaat des 18. Jahrhunderts.

Du wechselst und vermischst die Begriffe.
Wenn du bei vererbten Vermögen (also selbst nichts dafür getan) was tun willst, dann die Erbschaftssteuer. ist auch viel leichter umsetzbar.

Gegen was ich mich wehre ist, dass unterschiedliche Geldmittel immer zum Gerechtigkeitsthema gemacht werden.
Ist es denn gerecht, wenn jemand der sich reinhängt und viel arbeitet und deshalb mehr Geld verdient, dem der es ruhig angehen lässt oder nicht arbeiten will von seinem Gehalt über die Steuer bezuschussen muss?
Ungleichverteilung beim Einkommen kann durchaus auch gerecht sein.
Ist es gerecht, dass die Handwerksgesellen jahrelang die Studierenden über seine Steuer das Studium mit finanziert, damit die dann später mehr verdienen ohne wirklich was zurückzahlen zu müssen?

Darum geht es doch gar nicht. Bis auf die teilweise irrsinnigen Löhne von irgend welchen Vorständen (Welcher Faktor ist da noch gerechtfertigt?) sind Einkommensunterschiede für mich normal und ok.

Hm, also ich habe studiert. Ziemlich lange sogar. Bafög hatte ich keins aber das Studium selbst war kostenlos (also vom Handwerkergesellen über seine Steuern mit bezahlt). Aber woher kommt die Aussage „ohne wirklich etwas zurück zu zahlen“ bitte her? Ich zahle seit 20 Jahren den Höchststeuersatz auf mein Einkommen?

Ich verstehe deine Argumentation in diesem Punkt auch nicht: „Ungleichverteilung beim Einkommen kann durchaus auch gerecht sein.“ vs. "mehr verdienen ohne wirklich was zurückzahlen zu müssen?"

Außerdem: deine Argumentation erscheint mir in Übereinstimmung mit der Grafik weiter oben zu stehen: Es wird sich über Einkommen gestritten, obwohl es um Vermögen geht.