das ist doch der Punkt:
wir haben seit Jahrzehnten alles unverändert gelassen, aus Angst, dass es Widerstand gibt, und weil alles so gut lief.
Jetzt sind die alten Prämissen entfallen (russisches Gas, teure Exporte/billige Import (u.a. nach/aus China), kostenlose militärische Sicherheit durch die USA).
Jetzt kann man nicht mehr sagen „hat doch immer funktioniert, warum sollen wir das ändern?!?“
Es funktioniert nicht mehr.
Wir leben in einer anderen Welt als noch vor 4 Jahren (Ukraine) oder sogar 4 Monaten (Trump). Wir sind politisch schwach, militärisch schutzlos und wirtschaftlich gefährdet.
Wir müssen sehr schnell sehr vieles ändern.
Dabei werden wir Entscheidungen treffen müssen, ohne alle Folgen zu kennen.
Wir werden große Risiken eingehen müssen (zB 1 Billion Schulden aufnehmen, das Energiesystem umbauen, die Wirtschaft und den Staat reformieren und „neustarten“, ein neues Verteidigungsbündnis aufbauen).
Bei der Streichung eines Feiertages sehe ich keine Risiken, keine großen Unsicherheiten, keine Kosten, nur Wirtschaftsinstitute die sagen, es bringt 0,2% Wachstum. Schaden wird es nicht.
Wenn wir schon solche simplen kleinen Schritte totdiskutieren, wie soll das erst bei großen, riskanten Themen werden?!
Die größte Gefahr ist gerade, dass SPD und CDU sich gegenseitig blockieren und immer nur pflaumenweiche Kompromisse beschließen, die zu schwach sind, um wirklich was zu ändern. Die SPD müsste der CDU bei einigen wichtigen Themen völlig freie Hand geben und ihr Programm mal vergessen.
Dafür bekommt die SPD 1 oder 2 Themen, bei denen sie die Ansagen macht.
Dann bestünde zumindest die theoretische Chance, dass es grundlegende Reformen gibt (zB betr. Föderalismus, Bürokratieabbau, Verteidigung, Sozialstaat, Steuerrecht; Klima? weiß nicht, ob einer der beiden da einen Schwerpunkt legen würde).
Langatmige Diskussionen und faule Kompromisse wegen aller möglicher Bedenken werden keine ausreichenden Lösungen bringen.
Dann scheitert auch diese Regierung und dann gibt es für viele, zu viele nur noch die AfD.
Vor diesem Hintergrund finde ich die Diskussion über den Feiertag symptomatisch, und zwar im schlechten Sinne.
Zögerlichkeit, Besserwisserei, Besitzstandsdenken, vorgeschobene Gerechtigkeitsbedenken, St.-Florians-Prinzip, allg. Bedenkenträgerei.
Wenn die Streichung des Feiertags schon so schwierig ist, wie lange diskutieren wir über sowas wie eine große Steuerreform?
Oder eine Föderalismusreform?
Oder die Übertragung der Bildungshoheit auf den Bund?
Oder die Wiederbelebung der Wehrpflicht?
Oder einen brutalen Bürokratieabbau?
Oder drastische Maßnahmen zum Klimaschutz oder zur Klimafolgenabwehr?
10 Jahre? 20 Jahre?
Haben wir soviel Zeit?