Abschaffung eines Feiertags: wer ist dazu bereit?

Ich halte das einfach für eine Schnapsidee. Aber meinetwegen könnte man Weihnachten komplett streichen. Wäre aber gar nicht gut für die Wirtschaft.

Die Frage ist, ob man nicht wieder zur 40Stunden-Woche zurückkehren könnte - (so als Alternative) - das ist aber wahrscheinlich noch weniger realistisch, weil da die Gewerkschaften als große Lobby das zu verhindern wissen - das habe ich übrigens auch noch nie verstanden - die Gewerkschaften hätten - theoretisch - auch eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung - wenn ich mir da Reden von Leuten wie Weselsky ansehe (Ex-Oberfuzi bei der GDL), ist das eher FDP-gebaren…

1 „Gefällt mir“

Das ist nichts weiter als eine stumpfe Rechnung ohne Wirkung.

In den letzten Jahren haben einige Bundesländer sogar einen weiteren Feiertag eingeführt zum Beispiel Berlin und Thüringen, weitere Bundesländer haben diese Option ebenfalls.

Als zuletzt ein Feiertag abgeschafft wurde hat sich sogar ein ganzes Land dagegen gewehrt. Die Sachsen zahlen lieber einen höheren Pflegebeitrag als dass sie auf einen Feiertag verzichten wollen.

Das Resultat:

"Die am 1. Januar 1995 neu eingeführte Pflegeversicherung sollte durch die Abschaffung dieses Feiertages finanziell abgesichert werden. Dabei stand nicht die Entlastung der Beschäftigten, sondern der Arbeitgebenden im Vordergrund der damals durch Helmut Kohl geführten CDU-Regierung. Durch die so entstandene Mehrarbeit sollten die Beiträge der Arbeitgebenden zur Pflegeversicherung gesenkt werden. Dieser Plan ging einerseits zu Lasten der Beschäftigten, andererseits führten sie zu keiner nachhaltigen Begrenzung der Beiträge. Im Gegenteil, jedes Jahr steigen die Beiträge weiter.“

Quelle

Und letztlich wie oben schon gesagt werden die Arbeitnehmer ihre Urlaubstage weiter ausbauen und so mit wird es null Wirkung erzielen können.

und weil wir soviele haben, sollten wir keinesfalls einen abschaffen?
was ist das für eine Logik?

Aktuell ist ein Feiertag ein bezahlter, freier Tag, so wie ein Samstag (bei 5-Tage-Woche) oder Sonntag. Einen Feiertag zu streichen bedeutet also eine kleine Lohnkürzung: Mehr Arbeitsstunden im Jahr für das gleiche Geld. Dafür kann es zwei Motive geben:

  1. Der Arbeitgeber, Staat oder sonst wer möchte Kosten sparen. In einem solchen Fall hielte ich es für besser, wenn jeder individuell entscheiden könnte, ob er einen freien Tag verlieren oder stattdessen eine entsprechende Lohnkürzung hinnehmen möchte.
  2. AG/Staat wollen den Produktivitätszeitraum vergrößern: Ein weiterer Tag, an dem Betriebe/Maschinen/Gewerbe/Behörden laufen können. Dafür müsste man nicht einen Feiertag opfern, an dem vielleicht eine kleine Gruppe Menschen hängt. Stattdessen könnte man auch jedem einen zusätzlichen Pflicht-Arbeits-Samstag oder -Sonntag aufbürden. Jeder Betrieb kann das frei entscheiden. Der eine Betrieb braucht den für’s Weihnachtsgeschäft, der nächste in einer bestimmten Ernteperiode und der dritte bei einem Großauftrag (jedes Jahr anders), die Verwaltung zu einem Stichtag, an dem neue Verwaltungsvorschriften greifen.

Natürlich darf man auch für 1. UND 2. plädieren. Die von mir skizzierten Lösungen bringen auf jeden Fall mehr, als stur und bundeseinheitlich einen ganz bestimmten Tag zu streichen.

Das habe ich zu keiner Zeit gesagt

@spielem0 Arbeitgeber sind ja aber gerade in Deutschland auf dem Weg zur Vier-Tage-Woche

Auf mich wirkt diese Rechnung „ein Arbeitstag mehr ergibt x mehr Milliarden“ etwas zu einfach.

  • die in D wird soviel gearbeitet wie noch nie, nur die wöchentl Arbeitszeit je AN ist gesunken (s. 1. Link DIW)
  • die Produktivität stagniert jedoch bzw geht sogar zurück (so auch in anderen „entwickelten“ Volksrepubliken)
  • dies widerspricht eigtl dem zunehmenden Bildungsstand/der zunehmenden Qualifizierung der AN und der Abnahme „einfacher“ Tätigkeiten (letzte beide Punkte s. 2. Link DIW)

„Interessant“ finde ich auch, dass das IW „(betone), es mache einen großen Unterschied, ob der zu streichende Feiertag im Sommer oder im Winter liege: „Denn bei Eis und Schnee stehen die Kräne ohnehin still.“ (s Link zur Tagesschau) - wo der Großteil der dt. Wirtschaft glaub nicht mit Kränen bzw Äquivalenten arbeitet und wetterabhängig ist bzw. der Klimawandel diese Einschränkungen ohnehin immer geringer ausfallen lässt.

Immer weiter gesteigerte Produktivität kommt irgendwann an ihre Grenzen, wenn es nicht entsprechende Erholungszeit gibt bzw Prozessveränderung stattfindet. Und wenn dann hinkt D insbesondere bei letzterem hinterher.
Zumal die Abschaffung des Buß- und Betttages Familien mit schulpflichtigen Kindern jedes Jahr vor die Herausforderung stellt, noch einen Tag mehr Kinderbetreuung organisieren zu müssen, weil der Tag nach wie vor schulfrei ist.

Evtl muss man daher auch eher systemisch was ändern, als immer (nur) mit dem „althergebrachten“ preussischen Motto „mehr und härter arbeiten“ zu kommen.

„Der seit Jahrzehnten andauernde Abwärtstrend beim Produktivitätswachstum ist ein zentrales Problem entwickelter Volkswirtschaften. Der Aspekt einer zunehmenden Bürokratisierung der Arbeitswelt wurde bisher kaum beachtet. Auffällig ist aber, dass, während das Produktivitätswachstum zurückging, der Anteil an Tätigkeiten in Management- und Leitungsfunktionen sowie im Zusammenhang mit der Anwendung von Gesetzen und Vorschriften deutlich wuchs.“ Karl Brenke, Studienautor“
(Quelle 2. Link DIW)

1 „Gefällt mir“

das sind gute überlegungen, man kann ja auch beides machen, prozesse verändern und einen feiertag streichen. das widerspricht sich nicht.

es sind aber wieder komplizierte lösungen, jeder kriegt wieder seinen sonderfall, sein wahlrecht usw., und der bürokratische aufwand vervielfacht sich.
und hinterher schwören wir, dass wir die bürokratie abbauen.

ich glaube, wir müssen künftig einfache lösungen finden, die wir organisatorisch bewältigen können, auch wenn sie nicht 100% passgenau sind.
der bisherige wunsch nach der perfekten lösung für alle hat uns in die erstarrung geführt, die wir haben.

1 „Gefällt mir“

Ich glaube auch, dass das eine Milchmädchenrechnung ist.

Ist es denn wirklich so, dass ein zusätzlicher Arbeitstag irgendeine Produktioin steigert? Wenn keine Nachfrage da ist, wird auch nichts produziert. Und wenn die Nachfrage da ist, haben die Unternehmen schon heute genügend Möglichkeiten, die Produktion innerhalb der regulären Arbeitstage durch vorübergehende Mehrarbeit (Arbeitszeitkonten) hochzufahren.

Produktionssteigerung durch staatliche Anordnungen ist doch eher ein Instrument der Planwirtschaft.

1 „Gefällt mir“

Derzeit glaube ich das auch - aber wenn der Fachkräftemangel (so es tatsächlich einen gibt) weiter zunimmt durch die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge, dann ist die Frage, wie die Nachfrage mit dem Personal zu stemmen ist (denn dass bei einer exportorientierten Wirtschaft die Nachfrage wegen eines lokalen Phänomens tatsächlich synchron zurückgeht, ist eher unwahrscheinlich) - allerdings wäre dann die Frage, warum das ein Problem ist, wenn die Nachfrage von anderen Nationen gegebenenfalls ersetzt werden kann - es bliebe das Problem, dass bei zurückgehender Produktion das Rentensystem noch schwieriger finanzierbar wird - aber besagter Verzicht auf Feiertage wäre dann weniger eine Sache der Produktion - sondern eine Antwort auf das Renten"problem".

Die Betriebe haben schon heute viel Möglichkeiten innerhalb der gesetzlichen Arbeitszeitgrenzen. Die sollten sie erstmal nutzen. Die Feiertage sind nur eine Stellschraube in den Arbeitszeitregeln.

1 „Gefällt mir“

Nein, kaum Aufwand und keine zusätzliche Bürokratie. Das ist so, wie wenn du Gleitzeit und Urlaub bzw. der Arbeitgeber Dienst-/Arbeitspläne festlegt.

1 „Gefällt mir“

Was soll ich sagen?! Hier gibt es offenbar viele VWL-Experten, die das alles besser beurteilen können als das Institut der deutschen Wirtschaft und der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, samt Frau Schnitzer. Gegen soviel Forums-Expertise habe ich keine Gegenargumente mehr

Zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer die Abschaffung eines Feiertags in Deutschland vorgeschlagen. Schnitzer hatte auf das Beispiel Dänemark verwiesen, wo im vergangenen Jahr ein Feiertag gestrichen wurde, um die Finanzierung der Verteidigungsausgaben zu unterstützen.

Bei mir war heute der Klempner/Sanitärfachman :slight_smile: .
Der findet keine Mitarbeiter, also kann er manche Aufträge nicht mehr annehmen.
Ein Arbeitstag mehr bedeutet, dass er 2 Toiletten oder Duschen oder Waschbecken mehr installieren kann und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch wird. Was ist daran unverständlich oder zweifelhaft?

1 „Gefällt mir“

Glaube doch nicht, dass solche Forderungen wirklich im Detail berechnet werden. Da gibt es eine Hochrechnung, dass entsprechend der so zusätzliche Produktivität damit entsprechende Gewinne produziert werden. Tatsächlich haben wir aber ziemliche diverse Probleme und die sind schon ziemlich unterschiedlich. Wir haben einerseits wirklich zu wenig Fachkräfte, da würde der zusätzliche Arbeitstag vielleicht schon was bringen. Aber anderseits haben wir auch ein ziemliches Nachfrageproblem. Wir würden mit einem Arbeitstag mehr auch nicht mehr Autos in China verkaufen. Und folgt man den aktuellen Nachrichten, scheint es ja in diesen Branchen
zuviel Arbeitskraft zu geben und Kalo hat auch recht, dass man über flexible Arbeitszeitkonten grundsätzlich den zusätzlichen Feiertag auch wieder kompensieren könnte, also ein wirkliches Minus der Produktion verhinderbar wäre. Ob das dann allerdings „ kostenneutral“ wäre hängt von den jeweiligen betrieblichen Regelungen ( Betriebsvereinbarungen) oder/ und Tarifvertrag ab. Oft fallen hier für Überstunden oder Mehrarbeit Zuschläge an ( auch das ist übrigens Definitionssache). Zwar gibt es von der Böckler - Stiftung eine Liste von allen Tarifverträgen im Bundesgebiet, aber es gibt noch viele weitere betriebliche Regelungen und nirgends eine Datenquelle, die alles berücksichtigt und somit eine wirkliche Auswirkung des Wegfalls eines Feiertags immer eine sehr grobe Berechnung sein muss. Wenn man dann noch die genannten völlig unterschiedlichen Situationen der Betriebe sieht ( einerseits Fachkräftemangel, andere aber ein Absatzproblem); würde ich solche Aussagen auch von Instituten und Fachleuten kritisch sehen. Und die arbeitsrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten werden in solchen Modellen ohnehin nicht berücksichtigt.In einem abstraktem Modell sind die Berechnungen solcher Institute wohl richtig, nur die Datenlage scheint mir unzureichend.

Er könnte auch einen Urlaubstag streichen, mit dem gleichen Ergebnis.

Nein, der Urlaubsanspruch ist gesetzlich vorgeschrieben

Ist ja OK, dann sind es nicht 8 Mrd. sondern 9 oder 6,8 oder 7,3.
Was macht das für einen Unterschied?

ja, macht er aber nicht.
oder er macht es zusätzlich.
Dass es eine andere Lösung geben könnte, macht doch eine bestimmte Lösung nicht schlechter.
Ich sehe den Nachteil oder das Risiko bei der Feiertragsstreichung nicht.
Dann arbeiten viele 1 Tag mehr, und manche umgehen das vielleicht. Na und?
Tut doch keinem weh.
Abgesehen vom Kinderbetreuungsproblem.
Aber das haben wir so oder so, wenn wir mehr arbeiten wollen/müssen.

Die Feiertage auch. Außerdem gewähren die meisten Arbeitgeber mehr als die 20 vorgeschriebenen Tage.

Ich sehe da auch kein Risiko, außer das es den intendierten Zweck verfehlen könnte und nur zu einer Kostenreduktion bei Arbeitgebern führt. (Was ja nicht schlimm ist, aber eigentlich in Tarifverhandlungen gehört).

Mein Haupteinwand ist, dass das nicht meinen Vorstellungen einer stringenten, systematischen Politik entspricht. Es wird schon genug an tausenden Stellschrauben gedreht.

Würdest du die dann auf 19 reduzieren?
Was machst du mit den Leuten, die noch bestehende Verträge haben?

2 „Gefällt mir“